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Corona-Pandemie : Lebenserwartung in Osteuropa und den USA deutlich gesunken

  • -Aktualisiert am

In vielen Ländern hat Covid-19 zu einer erheblichen Übersterblichkeit geführt. Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt, in welchen Ländern die Lebenserwartung wie stark durch die Pandemie verkürzt wurde. In Deutschland gibt es große regionale Unterschiede.

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          Während sich die Lebenserwartung der meisten westeuropäischen Länder nach pandemiebedingten Rückgängen allmählich wieder erholt, haben insbesondere osteuropäische Länder sowie die USA einen nachhaltigen Einbruch der Lebenserwartung zu verzeichnen. Das hat eine internationale Gruppe von Forschern um Jonas Schöley vom Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung im Rahmen einer Vergleichsstudie herausgefunden, in der sie Daten aus 29 Ländern analysierten. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Fachjournal „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht.

          Um Veränderungen in der Lebenserwartung seit Beginn der Pandemie zu ermitteln, dokumentierten sie die Mortalität verschiedener Altersgruppen. Außerdem verglichen sie die Entwicklung der Lebenserwartung im Verlauf der Pandemie mit historischen Einbrüchen der Lebenserwartung in den letzten 120 Jahren. Zu sehen war dabei vor allem, dass sich die Lebenserwartung selbst nach einschneidenden Ereignissen wie dem Ersten Weltkrieg oder der Spanischen Grippe innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder erholte.

          In den USA niedrigster Stand seit 1996

          In der Vergleichsstudie zeigte sich, dass die Lebenserwartung aller 29 Länder im Jahr 2021 niedriger war als noch 2019 angenommen, allen voran Bulgarien mit einem Netto-Verlust von 43 Monaten innerhalb von zwei Jahren, gefolgt von der Slowakei mit 33 Monaten und den USA mit rund 29 Monaten. Dem US-amerikanischen National Center for Health Statistics zufolge ist die Lebenserwartung in den USA damit auf dem niedrigsten Level seit 1996. Demnach sank sie bei Männern um drei Jahre auf nun 73 Jahre und bei Frauen um 2,3 Jahre auf nun 79 Jahre. Damit ist auch der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen mit sechs Jahren so groß wie seit 26 Jahren nicht mehr.

          Die Forscher beobachteten außerdem, dass sich der Effekt der abnehmenden Lebenserwartung 2021 zunehmend auf die unter 60-Jährigen verlagerte. Bei der Mehrheit der Länder war die Altersgruppe der 60- bis 79-Jährigen ausschlaggebend für die Abnahme der Lebenserwartung, mit Ausnahme von Schottland und Deutschland. Während in Schottland die Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen den größten Beitrag leistete, war es in Deutschland die Gruppe der über 80-Jährigen.

          Viele westeuropäische Staaten wie die Schweiz, Belgien, Schweden und Frankreich sind mittlerweile wieder auf dem gleichen Level der Lebenserwartung angekommen wie vor der Pandemie, oder befinden sich auf dem Weg dahin. Dänemark, Finnland und Norwegen beispielsweise haben es geschafft, ihre Lebenserwartung trotz der vielen Todesfälle zu halten – was den Forschern zufolge an einer Kombination aus erfolgreicher Impfkampagne und einer hohen Grundkapazität des Gesundheitssystems liegen könnte.

          Regionale Unterschiede in Deutschland

          Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) verzeichnete hierzulande im Verlauf des ersten Coronajahres 2020 eine Abnahme der Lebenserwartung um 0,2 Jahre bei Männern und bei Frauen um 0,1 Jahre. 2021 sank sie bei Männern um weitere 0,4 Jahre, bei Frauen um 0,3 Jahre. „Rückgänge in dieser Größenordnung wurden letztmals zum Ende der DDR verzeichnet“, sagte Sebastian Klüsener, Forschungsdirektor am BIB.

          Mit regionalen Unterschieden: Besonders betroffen waren die ostdeutschen Bundesländer, so Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen – dort sank die Lebenserwartung bei Männern um rund eineinhalb Jahre, bei Frauen um ein Jahr. In Schleswig-Holstein hingegen stieg die Lebenserwartung zwischen 2019 und 2021 bei Männern sogar um 0,2 Jahre, während es bei Frauen einen Rückgang um 0,2 Jahre gab.

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