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Künstliche Befruchtung : Kinderwunsch mit Stammzellen erfüllen?

Eine Eizelle mit den sie umgebenden Follikelzellen vor der Befruchtung. Bild: Koch Media

Gibt es im Eierstock Stammzellen, aus denen man neue Eizellen erzeugen kann? Forscher wollen das gezeigt haben. Ein sechzig Jahre altes Dogma steht zur Debatte.

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          Steht die Fortpflanzungsmedizin vor einer neuen Ära - und möglicherweise vor großen neuen Geschäften? Wenn sich bestätigt, was amerikanische Stammzellforscher um Jonathan Tilly vom Massachusetts General Hospital in Boston zusammen mit japanischen Kollegen herausgefunden haben, verbirgt sich in den Eierstöcken der Frauen eine bisher unbekannte Quelle für neue Eizellen, die sich quasi beliebig vermehren und vielleicht bis ins hohe Alter nutzen lassen könnte.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Damit wird - allerdings auch nicht zum erstenmal - ein altes Dogma der Reproduktionsmedizin infrage gestellt: Dass Frauen zwar mit einem Überschuss, aber insgesamt mit einer festgelegten Zahl von Eizellen auf die Welt kommen.  

          In der Online-Ausgabe der Zeitschrift  „Nature Medicine“ (doi: 10.1038/nm.2669) berichten Tilly und seine Kollegen , wie sie aus Eierstöcken von Mäusen sowie von japanischen Frauen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatten, geringe Mengen an "Oogonien-Stammzellen" (OSC) anhand von Oberflächen-Marker-Molekülen fanden. Diese Vorstadien, die sich anders als die Keimzellen selbst noch vermehren lassen, hat man im Reagenzglas markiert und  anschließend zu Eizellen sowie zu den sie umgebenden Kumuluszellen kultiviert. Aus den so herangezücheten Mäusekeimzellen wurden nach Übertragung lebensfähige Embryonen erzeugt.

          Bei Menschen hat man solche Experimente aus nachvollziehbaren Gründen nicht unterneommen. Deshalb ist auch  völlig unklar,  ob solche künstlich erzeugten Keimzellen tatsächlich überleben und funktionsfähig sind. Auch über mögliche Chromosomenanomalien nach dem Eingriff weiß man nichts. Tilly ist in der Szene seit mehr als zehn Jahren wegen seiner umstrittenen Experimente bekannt, in denen er etwa nachweisen wollte, dass das natürliche Eizell-Reservoire von Frauen durch einwandernde und schließlich verwandelte  Knochenmark-Stammzellen erweitert wird. Anschließende Versuche haben solche  Eizell-Genesen nicht bestätigt.

          Jonathan Tilly is nicht nur am Massachusetts General Hospital in Boston tätig, sondern auch Mitbegründer der Firma "OvaScience" ist, hat ein Patent angemeldet. Wie er schreibt,  will er damit künftig Frauen helfen, denen wegen einer Krebserkrankung die Eierstöcke entfernt werden mußten, aber auch älteren Frauen  zur Erfüllung des Kidnerwunsches verhelfen. 

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