https://www.faz.net/-gwz-ah1og

Künstliche Befruchtung : Trügerisches Rezept fürs Wunschkind

  • -Aktualisiert am

Künstliche Befruchtung im Labor Bild: dpa

Die doppelte Hormontherapie in einem Zyklus lässt schneller Embryonen in der Petrischale heranwachsen. Allerdings ist das noch keine Garantie für ein Baby.

          1 Min.

          Bilden sich bei einer Frau trotz intensiver Hormonstimulation nur wenige Eizellen, sind die Aussichten auf ein Kind mit In-vitro-Fertilisation  (künstliche Befruchtung) gering. Vielversprechend klingt daher eine Studie, die auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin vorgestellt wurde. Spanische Ärzte haben Frauen zweimal während eines Zyklus mit Hormonen stimuliert und ihnen zweimal Eizellen entnommen (DuoStim-Theraphie).

          In der Studie wurden von 80 Frauen 41 Probandinnen mit DuoStim behandelt, die übrigen mit einer doppelten herkömmlichen Stimulation. Alle Frauen waren älter als 38 Jahre. Es entstanden in beiden Gruppen ähnlich viele Embryo­nen, aber mit DuoStim im Schnitt drei Wochen früher. „Der Charme ist, dass eine zweite Kohorte von Eizellen heranreift, die wir sonst in dieser Zeit nicht erhalten würden“, sagt Andreas Tandler-Schneider, Leiter des Fertility Center Berlin.

          Der Ansatz ist nicht neu. Im Jahr 2009 bewies der Reproduktionsmediziner Michael von Wolff – damals in der Universitätsklinik Heidelberg, heute im Universitätsspital Bern –, dass sich Eizellen effektiv unabhängig vom Zeitpunkt des Zyklus gewinnen lassen. Ideal ist DuoStim für Frauen, die an einer Krebserkrankung leiden, zum Erhalt ihrer Fruchtbarkeit.

          Kein Vorteil für unfruchtbare Frauen

          Eine Chemotherapie sollte deshalb rasch gestartet werden, und daher spielt die Dauer der Stimulation eine große Rolle. Später testeten Forscher DuoStim auch für Frauen mit Kinderwunsch, diese Studien waren aber im Gegensatz zu der aktuellen nicht randomisiert.

          Für unfruchtbare Frauen sieht von Wolff kaum einen klaren Vorteil für die DuoStim. Erstens verpasst die Frau die Möglichkeit, nach dem ersten Zyklus schwanger zu werden, und spritzt sich womöglich unnötigerweise Hormone. Zweitens ist nicht klar, ob Frauen mit DuoStim tatsächlich schneller ein Kind bekommen. Drittens muss die Frau mit zusätzlichen Kosten von 1500 bis 2000 Euro rechnen.

          Die einzige Situation, in der sich von Wolff die Anwendung von DuoStim vorstellen könne, wäre eine 40 Jahre alte Frau, die mit klassischer Stimulation nur drei Eizellen entwickelt hat. „Mit DuoStim könnten wir in so einem Fall viele Embryonen generieren und einfrieren, bevor die Frau noch älter wird und eine Schwangerschaft unwahrscheinlich wird.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ganz schön leer hier: die Wiener Innenstadt im vierten Lockdown

          Wien im vierten Lockdown : Alles ist dicht, aber es glitzert

          Österreich hat wieder Ausgangsbeschränkungen verhängt. Die Leute sind entspannter als vor einem Jahr, aber für Geschäfte und Lokale sieht es schlecht aus. Ein Spaziergang durch Wien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.