https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/krebs-starkes-herz-trotz-chemokeule-1382405.html

Krebs : Starkes Herz trotz Chemokeule

  • -Aktualisiert am

Herzschwäche durch Chemotherapie: Hoffung weckt ein Blutdruckmittel Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Chemotherapie hat für einige Krebspatienten die lebensbedrohliche Nebenwirkung, das Herz zu schwächen. Ein Versuch, den hohen Blutdruck schon frühzeitig mit ACE-Hemmern zu behandeln, weckt Hoffungen. Doch Mediziner warnen vor verfrühter Euphorie.

          2 Min.

          Die Einnahme von ACE-Hemmern, gängigen Mitteln gegen hohen Blutdruck und Herzschwäche, kann Krebskranke möglicherweise vor den herzschädigenden Folgen einer hochdosierten Chemotherapie schützen. Das legen zumindest die jüngsten Untersuchungsergebnisse italienischer Forscher nahe. Die Anwendung großer Mengen von Zytostatika stellt oft die einzige Chance dar, hartnäckige Krebszellen auszuschalten.

          Zu den Schattenseiten zählen häufige, mitunter lebensbedrohliche Nebenwirkungen. So führt eine Hochdosis-Therapie mit Anthracyclinen bei fünf bis 20 Prozent der Patienten zu Herzschwäche. Einige Forscher haben sogar bei mehr als der Hälfte krankhafte Veränderungen des Herzmuskels gefunden.

          Heilung nicht mehr möglich

          Weist das Herz schon erste Schäden auf, kann eine Therapie mit ACE-Hemmern das Schwinden der Herzkraft oft aufhalten oder zumindest hinauszögern. Eine Heilung ist dann allerdings nicht mehr möglich. Daniela Cardinale vom Europäischen Institut für Onkologie der Universität in Mailand und ihre Kollegen sind nun der Frage nachgegangen, ob sich Herzschäden ganz abwenden lassen, wenn die Patienten schon bald nach der Hochdosis-Chemotherapie mit Anthracyclinen einen ACE-Hemmer erhalten.

          In ihren Untersuchungen berücksichtigten sie nur Patienten, bei denen die Chemotherapie zur vermehrten Freisetzung des Herzmuskelproteins Troponin I geführt hatte. Denn eine Anreicherung dieses Eiweißstoffs im Blut deutet auf ein erhöhtes Risiko schwerer Herzmuskeldefekte hin. Alle Teilnehmer der Studie - insgesamt 114 jüngere Männer und Frauen mit unterschiedlichen Krebsleiden - wurden gemäß den gängigen Therapiestandards versorgt. Darüber hinaus erhielt eine Hälfte der Probanden ein Jahr lang den ACE-Hemmer Enalapril.

          Fast zu gut, um wahr zu sein

          Wie die Forscher in der Zeitschrift „Circulation“ (Bd. 114, S. 2474) berichten, blieb die Herzfunktion der mit Enalapril versorgten Patienten während der gesamten zwölfmonatigen Versuchszeit hinweg stabil. So soll kein einziger Teilnehmer dieser Gruppe an schwindender Herzkraft gelitten haben. Viel schlechter erging es jenen Teilnehmern, die keinen ACE-Hemmer erhalten hatten: Von ihnen mußten rund 40 Prozent einen deutlichen Verlust ihrer Herzkraft hinnehmen.

          In der Medizin sind schon oft Hoffnungen geweckt worden, die sich später als Trugschluß erwiesen haben. Wohl aufgrund dieser Erfahrung merkt der amerikanische Kardiologe Christopher Granger vom Klinischen Forschungsinstitut der Duke University in Durham (North Carolina) in einem Kommentar (S. 2432) lakonisch an, die Ergebnisse der italienischen Wissenschaftler seien fast zu gut, um wahr zu sein.

          So sei es schon häufiger vorgekommen, daß die in kleinen - methodisch überdies nicht ganz lupenreinen - Studien erzielten Therapieerfolge in größeren Untersuchungen nicht bestätigt werden konnten. Nicht genau geklärt ist zudem bislang, auf welche Weise die ACE-Hemmer das Herz gegen die Angriffe der hochdosierten Krebsmedikamente wappnen können. Diskutiert wird unter anderem ein Schutz vor den Attacken der - durch die Krebsmittel freigesetzten - Sauerstoffradikale.

          Weitere Themen

          Die Macht des Erdöls Video-Seite öffnen

          Einfach erklärt : Die Macht des Erdöls

          Das schwarze Gold ist ein Garant für Wohlstand, aber auch Auslöser für Krisen und Kriege. Woraus besteht Erdöl und hat es als Energiequelle noch eine Zukunft?

          Topmeldungen

          „Der Kunde ist König“ gilt schon lange nicht mehr. Dienstleister wollen oft sogar eher abschrecken.

          Marktwirtschaft : Warum der Kunde nicht mehr König ist

          Immer mehr Dienstleister konzentrieren ihre Kreativität darauf, mögliche Abnehmer zu vergraulen. Sie haben dafür gute Gründe, denn nicht nur die Pandemie verändert die Situation. Gerade der Personalmangel macht ihnen zu schaffen.