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Kongo-Einsatz : Der Feind ist unsichtbar

  • -Aktualisiert am

Im Kongo lauern etliche gefährliche Viren auf die Soldaten Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Kongo-Einsatz der Bundeswehr ist so gut wie beschlossene Sache. Doch die Bevölkerung ist für die Soldaten kein Gegner. Stattdessen wird es vielmehr ein Abwehrkampf gegen Krankheitserreger sein.

          Der Bundestag muß dem EU-Beschluß zwar noch zustimmen. Doch da auch Deutschland sich der Verbreitung der Demokratie verpflichtet fühlt, gilt es als ziemlich sicher: Soldaten der Bundeswehr werden bald in den Kongo aufbrechen. Genauer: in die Demokratische Republik Kongo (DRC) - das ehemalige Zaire -, die jetzt durch eine freie Wahl wirklich ein bißchen demokratisch werden soll. Das Land gehört nicht zu den gerade beliebtesten Reisezielen, und das nicht nur wegen der hohen Dichte an AK-47-Gewehren. Auch so hat man dort Grund, um Leib und Leben zu fürchten. Denn fast nirgendwo sonst auf der Welt gibt es gefährliche Viren, Bakterien und Parasiten in solcher Vielfalt und in solcher Menge.

          Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat seit Beginn des neuen Jahrhunderts 19 Spezialeinsätze aufgrund von Epidemie- und Pandemie-Alarmen im Lande dokumentiert. Die Erreger, die es zu bekämpfen galt, waren Pest, Cholera, Typhus, Influenza, eine influenzaähnliche Erkrankung sowie das Marburg-Virus. Von Aids, Dengue-Fieber, Bilharziose, Hepatitis, diversen Darminfektionen und der grassierenden Malaria ganz zu schweigen.

          Trinkwasserbedarf nach deutschen Richtlinien

          Der bevorstehende Einsatz deutscher Soldaten könnte neben der erhofften Hilfe auf dem Weg in ein demokratischeres System auch einen weiteren Effekt haben. Vielleicht wird man sich dann in reicheren Ländern wie der Bundesrepublik wieder ein wenig mehr der Probleme des vergessenen Kontinents bewußt werden. Einerseits herrschen dort noch immer Bürgerkriege und ethnische Unruhen, die nach Schätzungen der WHO selbst jetzt, da es etwas ruhiger geworden ist, allein in der Demokratischen Republik Kongo monatlich rund 31.000 Menschen das Leben kosten. Andererseits bestehen die Krankheitsrisiken fort, denen Millionen Afrikaner dauerhaft bei meist ungenügender Gesundheitsversorgung ausgesetzt sind.

          Welcher Unterschied da zur Versorgung hierzulande besteht, zeigt allein ein Blick auf all die Sorgen, die sich die Bundeswehrsoldaten im Kongo trotz allgegenwärtiger Erreger gar nicht werden machen müssen: Cholera und Typhus sowie andere Verursacher von Magen-Darm-Infektionen und Fieberkrankheiten etwa werden über schmutziges Wasser oder Lebensmittel übertragen. Doch die deutschen Soldaten werden ihren Trinkwasserbedarf aus importierten Plastikflaschen decken. „Wenn das bei einem Einsatz nicht möglich ist, wird ein Vertrag mit einem Hersteller vor Ort geschlossen, den wir vorher überprüft haben und der nach deutschen Richtlinien produzieren muß“, sagt Hans-Ulrich Holtherm, Oberfeldarzt beim Sanitätsdienst der Bundeswehr in München.

          „Verpflegung komplett von außen“

          Fleisch, Fisch und Salatbeilagen werden die Feldköche auch nicht auf den Märkten der Region einkaufen. Entweder verpflegt sich der Soldat mit vorgekochten Rationen in seinen „Epas“ (kurz für „Eintagespackungen“). Oder die Feldküche kocht mit eingeflogenen Zutaten. „Falls es zu einem Einsatz im Kongo kommt, ist sicher davon auszugehen, daß die Verpflegung komplett von außen kommen wird“, sagt Holtherm.

          Seine genaue Tätigkeitsbezeichnung lautet „Leiter des Dezernats Medical Intelligence beim Sanitätsdienst der Bundeswehr“. Das englische Wort „Intelligence“ bedeutet hier soviel wie Aufklärung, im militärischen Sinne. Die wird, sagt der Arzt, durchaus vor Ort betrieben. Er selbst war am vergangenen Freitag bereits auf dem Sprung in Richtung Kongo und dessen Nachbarländer, wo er zusammen mit anderen Offizieren die „sanitätsdienstliche Situation vor Ort evaluieren“ soll. Das Ganze geschieht zunächst im Auftrag der EU, denn ohne Bundestagsbeschluß ergehen offiziell keinerlei Marsch- oder sonstige Befehle in Richtung des Herzens Afrikas.

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