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Klonen : Geht nicht gibt’s nicht mehr

Entnahme des Zellkerns aus der Eizelle. Der erste Schritt zum Klonieren. Bild: Cell, Tachibana et al.

Es war der Traum durchgeknallter Biotechniker: Geklonte Menschen. Jetzt wurde in Amerika zumindest das Forschungsklonen realisiert. Der Trick: Kaffee in der Petrischale.

          9 Min.

          Sag niemals nie.  Dieser Satz gilt seit heute auch für das Klonen von Menschen. Zumindest für das, was die Wissenschaftler das Forschungsklonen nennen und was eine Zeit lang unter dem Begriff  „therapeutisches Klonen“ ein medizinisch angehauchtes Drehbuch für ein Stück lieferte, in dem Menschenzuchtvisionen nach dem Strickmuster von Huxleys „Schöne neue Welt“  den eigentlichen Handlungsstrang bildeten. Soeben jedenfalls vermelden amerikanische Forscher um Shoukrat Mitalipov von der Oregon Health and Science University, dass ihnen das Forschungsklonen mit menschlichen Zellen nach vielen Fehlversuchen endlich gelungen sei. Die Gebrauchsanweisung dafür ist ab sofort in der Zeitschrift „Cell“ nachzulesen. Und sie enthält ein verblüffendes technisches Detail: Mit einem Schuss Koffein in der Schale geht das Klonieren von Menschenzellen viel einfacher.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Geht nicht, gibt's nicht - auch dieser Satz passt, und das nicht  zum ersten Mal, zur jüngeren Geschichte der Biomedizin. Schon nach Geburt des schottischen Klonschafs „Dolly“ im Jahr 1997  hatten sich die Lebenswissenschaftler diesen Satz ins Stammbuch schreiben lassen müssen. Damals begann der steile Aufstieg der molekularen Zellbastelei. Einige Biotechniker um den Schotten Ian Wilmut hatten seinerzeit einen revolutionären Jungbrunnen kreiert. Aus dem Erbgut einer reifen, hochspezialisierten Euterzelle eines alten Schafs wurde ein neuer vollständiger Organismus, das Klonschaf  “Dolly“ geschaffen. Der Zeitpfeil der organismischen Entwicklung war umgedreht - aus Alt mach Neu, hieß das. Pure Fiktion bis dahin, der Reifungsprozess des Lebens zurückgestellt auf Start. Undenkbar bis dahin.

          Erst Klon-Hype, dann Klon-Dämmerung

          Das war Ende der neunziger Jahre. Dann kam der Klon-Hype, das Auftreten der Klon-Ufos und Klon-Betrüger und später die Klon-Dämmerung. Dazwischen, vor ziemlich genau zehn Jahren,  war das Klonen in Berlin angekommen. Die Sorge vor durchgeknallten Wissenschaftlern wie jenen der französischen Sektenfirma Clonaid, die mit dem Verfahren des Klonens durch Zellkerntransfer die Schaffung von genetischen Menschenkopien angekündigt hatten, alarmierte die Politik. In dem damals von Edelgard Buhlmann geleiteten Bundesforschungsministerium war man heilfroh zu hören, dass das zwar alles eher einfach aussieht mit dem Klonieren, dass das dann  aber im Labor doch scheitert, weil  der Teufel im Detail steckt.

          Stammzellforscher Shoukhrat Mitalipov

          Einen „alten“ Zellkern in eine entkernte Eizelle zu transferieren und das Ganze dann reibungslos bis zur fehlerfreien Erzeugung eines ganzen menschlichen Organismus zu bringen, sollte jedenfalls fürs Erste nicht gelingen. Ob es versucht wurde, sei dahin dahingestellt. Man darf es vermuten. Behauptet wurde es jedenfalls öfter. Nach den wissenschaftlichen Befunden zu schließen, war die Öffentlichkeit allerdings einer Horde von Lügenbolden und ruhmsüchtiger Akademiker aufgesessen, die eine verlockend einfache Gleichung aufmachten: Was bei Schaf, Pferd, Kuh, Hund und Maus gelingt, sollte auch mit menschlichen Zellen gelingen. Es gelang nicht. Oder zumindest nur bruchstückhaft.

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