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Klonen : Geht nicht gibt’s nicht mehr

Den Medizin-Nobelpreis teilen sich in diesem Jahr  John Gurdon aus Großbritannien (links) und Shinya Yamanaka aus Japan.
Den Medizin-Nobelpreis teilen sich in diesem Jahr John Gurdon aus Großbritannien (links) und Shinya Yamanaka aus Japan. : Bild: dpa

Nichts an den embryonalen Stammzellen deutete anschließend darauf hin, dass das Prozedere die Zellen oder deren Genom beeinträchtigt hätten. Im Gegenteil: Als Mitalipov daran ging, die Pluripotenz und Funktionalität der Klonzellen  zu testen, sie zu vermehren und zu unterschiedlichen Geweben – etwa Herzmuskelzellen - heranreifen zu lassen, war kein Unterschied zu den bekannten unklinierten Stammzellen zu erkennen.

Genetische Eignung für das Klonieren?

Eine überraschende Besonderheit allerdings gibt den Forschern Rätsel auf: Das Klonieren funktionierte mit Eizellen von Spenderinnen am besten, die man anfangs für die am wenigsten Geeigneten hielt, weil man von ihnen die wenigsten Eizellen gewinnen konnte. Umgekehrt erzielte man mit den Eizellen von Frauen, die nach der Hormongabe besonders viele reife Eizellen produzierten, die schlechtesten Ergebnisse. Offensichtlich gibt es Menschen, die genetisch eher für das Klonen geeignet sind, und solche, die schlechte Voraussetzungen mitbringen. Welche Gene dafür allerdings ausschlaggebend sind, ist den Wissenschaftlern noch einigermaßen unklar.

Fraglich ist auch, ob sich die Stammzellforscher nun nach dieser Bekanntmachung tatsächlich wie seinerzeit nach der iPS-Erfindung verstärkt mit dem Forschungsklonen beschäftigen. Mitalipov hofft das natürlich: „Unsere Befunde zeigen neue Wege auf, wie wir Stammzellen von Patienten mit schweren Organschäden erzeugen können. Diese Stammzellen könnten krankhaftes Gewebe ersetzen, wie wir es bei Millionen Menschen finden.“ Zukunftsmusik fürs Erste.

In Deutschland wird man in die Richtung jedenfalls definitiv nicht aktiv werden. Hierzulande sind  Experimente mit den Embryonalzellen, ob geklont oder nicht, durch das Embryonen- und das Stammzellgesetz verboten. Mitalipov spekuliert zwar schon einmal, dass die Reprogrammierung von Zellen mit seiner Kloniertechnik weniger anfällig ist und weniger Fehler im Genom auftreten als etwa bei der Herstellung von induzierten Stammzellen. Aber der direkte Vergleich steht noch aus.

Weitere Prüfungsverfahren notwendig

In einem Punkt allerdings ist sich der amerikanische Forscher sicher: Der Fall, dass man reihenweise Frauen zur Eizellspende überreden müsste, um die eine oder andere Stammzelllinie herzustellen, sollte seiner Meinung nach nicht eintreten.  Zuerst allerdings müssen seine Experimente von unabhängigen Gruppen wiederholt und bestätigt werden. Der Bonner Stammzellforscher Brüstle glaubt, dass die Klonexperimente Mitalipovs „die immer noch sinnvolle Diskussion um und die Frage, was man darf und was nicht, wieder aufbrechen werden“. Ob man die geklonten Stammzellen jemals für die medizinische Anwendung benötigen wird? Brüstle: „Nach den bisher noch völlig unzureichenden genetischen Analysen ist völlig unklar, ob die so gewonnenen Stammzellen so gut wie iPS sind und ob sie für eine klinische Fragestellung sinnvoll sind.“

Allein die Eizellbeschaffung wirft Brüstle zufolge so viele ethischen Probleme auf und gefährdet die zur Superovulation mit Hormonen stimulierten Frauen, dass er keine Zukunft in dem Verfahren sieht: „Das ist gesellschaftlich nicht zu vermitteln, Spender-Eizellen in den auch mit diesem leidlich effizienten Verfahren Mengen zu gewinnen.“ Mitylipov sieht das anders: Die Effizienz mit dem von ihm beschriebenen Verfahren werde schon für eine „hohe Ausbeute“ beim Klonieren sorgen.

Er wäre nicht der erste selbst ernannte Klonpionier, der mit umstrittenen Behauptungen auf die Nase fällt.

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