https://www.faz.net/-gwz-794pn

Klonen : Geht nicht gibt’s nicht mehr

Schon die technischen Hürden waren also gewaltig. Am Ende waren es dann mindestens vier Umstände, die dazu führten, dass das Kapitel Forschungsklonen vor einigen Jahren mehr oder weniger zugeschlagen wurde. Da war erstens die biopolitische Debatte: Nicht nur in Deutschland, auch anderswo führte die Sorge, das sogenannte therapeutische Klonen könnte den Weg zum reproduktiven Klonen ebnen und damit der menschenunwürdigen Verzwecklichung  des Embryos Vorschub leisten, zu neuen Gesetzen. Das reproduktive Klonen wurde fast überall gesellschaftlichen geächtet. Zweitens wurde 2005 der wichtigste Protagonist des Forschungsklonens, der Koreaner Hwang Woo-suk,  als Schwindler entlarvt.  Er hatte nie die Menschenklone erzeugt, die er im Jahr davor in einem aufsehenerregenden „Science“-Paper vorgeführt und noch dazu mit einem medienwirksamen Auftritt  als Pioniertat öffentlich verkauft hatte. Drittens wuchs  in den Jahren danach immer stärker die Überzeugung der Klonexperten, dass es möglicherweise grundsätzliche „biologische Hürden“ geben könnte, die das Klonen mit menschlichem Erbmaterial technisch vorerst unmöglich macht. Entsprechende Hinweise dafür hatte man jedenfalls in Versuchen mit Affen gesammelt.

Unnörige Programmierarbeit am Klon: Eine Kolonie von embryonalen Stammzellen (im oberen Teil), die aus Zellen des Klonembryos erzeugt wurden.
Unnörige Programmierarbeit am Klon: Eine Kolonie von embryonalen Stammzellen (im oberen Teil), die aus Zellen des Klonembryos erzeugt wurden. : Bild: Cell, Tachibana et al.

Und viertens schließlich wurden spätestens im Jahr 2007, als der Japaner Shinya Yamanaka die ersten menschlichen „induzierten pluripotenten Stammzellen“ präsentierte klar: Zum Reprogrammieren von Körperzellen muss man nicht mit fremden Eizellen Klonexperimente beginnen. Der Zellkerntransfer in die Eizellen ist überflüssig, wenn man es nur schafft, die richtigen Gene in den gewünschten Körperzellen zu reaktivieren. Und das sind erstaunlich wenige: höchstens vier. Yamanaka konnte zeigen, dass man eigentlich nur deren Zusammenspiel richtig koordiniert muss, um die Zellen zu verjüngen – was im Labor recht einfach, aber auch kein Kinderspiel ist. Im Prinzip weiß man jedenfalls seither: das Geheimnis des Jungbrunnens liegt nicht exklusiv in der Eizelle, sondern im Genom jeder einzelner unserer Zellen – ob in der Haut,  im Gehirn, Blut, Muskel, Fett oder in den  Haaren. Die neue Reprogrammierkunst geht experimentell inzwischen soweit, dass man theoretisch auf das Verjüngen ganz verzichten kann. Der Trick heißt Transdifferenzierung. Wer aus Hautzellen etwa Nerven herstellen will, um sie ins Gehirn zu verpflanzen, muss dafür sorgen, dass die richtigen Steuerelemente auf dem Erbmaterial der Reihe nach aktiviert werden – ein fein molekulares Sinfonieorchester wird gebraucht.

Problem der Abstoßung

Der größte Nachteil all dieser Alternativverfahren liegt in der Effizienz: Für potentielle klinische Anwendungen werden Stammzellen in großer Zahl und in kürzester  Zeit benötigt. Kein Stammzelltyp ist darin so effektiv wie die embryonale Stammzelle. Die aus Blastozysten gewonnenen Stammzellen sind nach wie vor der „Goldstandard“ für die Jungbrunnenforschung. Ihr größter Schwachpunkt: Die verfügbaren Stammzelllinien in den Labors passen immunologisch nur in Ausnahmefällen zu den Patienten, Ersatzgewebe, die aus embryonalen Stammzellen hergestellt werden, könnten abgestoßen werden.

Weitere Themen

Topmeldungen

Bundeskanzlerin Angela Merkel, im Hintergrund Kanzleramtschef Helge Braun.

Lockdown bis Ostern : Deutschland hinkt hinterher

Die Corona-Beschlüsse werden nichts daran ändern, dass Deutschland hinterherhinkt. Das liegt an Selbstblockade, die als bürokratische Bräsigkeit wahrgenommen wird.

Fahrbericht Audi Q5 : Ein Q geht um die Welt

Ob in Europa, den Vereinigten Staaten oder in Asien, der Q5 ist seit Jahren Audis Erfolgsgarant. Jüngst wurde die Bedienung überarbeitet, jetzt folgen größere Akkus im Hybrid. Das alles hat allerdings seinen Preis.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.