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Klonen : Geht nicht gibt’s nicht mehr

Klone als biomedizinische Rohstoffquelle

Dennoch haben die ehrgeizigsten und auch durchaus angesehene Wissenschaftler die Versuche nie aufgegeben. Ihnen war es allerdings auch nie um das Reproduzieren von Menschen durch Klonen und damit um die Realisierung von Science-fiction-Utopien gegangen, sondern wie gesagt um das Forschungsklonen.
Die größten Befürworter dieser Biotechnik hatten es schnell geschafft, dafür den Begriff „therapeutisches Klonen“ einzuführen – nicht, um den medizinischen Nutzen zu demonstrieren, der immer schon spekulativ war, sondern um deutlich zu machen, was das eigentliche Forschungsziel war: Man wollte Klone von Menschen bis zu einem, nun ja, man darf es wohl so nennen: erntereifen Entwicklungszustand herstellen. Man wollte die Klone in der Petrischale als biomedizinische Rohstoffquelle gewinnen. Dazu brauchte man keine Klonmenschen, sondern allenfalls frühe Klonembryonen. Und der Rohstoff, den sie liefern sollen, sind embryonale Stammzellen.

Aus diesen unreifen und beeindruckend wandlungs- wie vermehrungsfreudigen Zellen (man nennt sie deshalb auch „pluripotent“) lässt sich im Labor mit dem richtigen molekularen Cocktail  jede beliebige Körperzelle erzeugen, ob Hirnzelle oder Herzmuskelzelle. Im frühen Embryo kommen solche Zellen sicher vor. Auch der Embryo im Reagenzglas hat sie. Und weil der durch den Klonvorgang künstlich erzeugte Reagenzglas-Embryo auch noch die gewünschte Erbinformation der Person erhält, aus der man die Kandidatenzellen für den Jungbrunnen entnommen hat, ist er in doppelter Hinsicht verlockend.

Auf jeden Fall gehörte, nachdem die ersten kleinen Reprogrammierwunder mit  tierischen Zellen vollbracht waren, nicht viel Fantasie dazu, von einer neuen Quelle für künstlich erzeugte Gewebe und Organe träumen.

Bild: Grafik Kaiser

Was man aus Sicht der Klonierer lediglich brauchte, war ein Verfahren, das erstens sicherstellt, dass sich die Eizelle nach der Transplantation des Wunschzellkerns ein paarmal teilt und nach einigen Tagen bis zur sogenannten Blastozyste – dem kugelrunden hohlen „Keimbläschen“ – heranwächst. Aus hundert bis zweihundert Zellen ist der „rekonstruierte Embryo“ in diesem Stadium zusammen gesetzt. Rekonstruierter Embryo nennen die Forscher ihr Laborprodukt immer dann, wenn sie das Artifizielle ihrer Technik betonen und in bioethischen Debatten von dem echten, dem gewissermaßen natürlichen (und in der Lesart der Klonierer schützenswerteren) Embryo abgrenzen wollen.

Klonen ist ein mühsames Geschäft

In seinem Inneren gedeihen jene Zellen, die mit einer scharfen Pipette entnommen und weiter als Stammzellen in der Petrischale für die Anzucht von medizinisch verwertbarem Gewebe verwendet werden. Bis es dazu kommt,  braucht es allerdings auch noch etwas anderes: genügend Eizellen. Denn das Klonen ist selbst bei Tieren wie Kühen oder Mäusen, bei denen es vergleichsweise wenige Probleme gibt, ein mühsames Geschäft, das nur in wenigen Prozent der Transfer- und Kultivierversuchen gelingt. Mit anderen Worten: Es werden Dutzende, wenn nicht Hunderte Eizellen benötigt, in die per Mikropipette das fremde Erbmaterial eingeschleust und anschließend zur Teilung gebracht werden muss, um wenigstens ein paar heranwachsende „erntereife“  Klone zu erhalten. Und keineswegs aus allen lassen sich vermehrungsfreudige embryonale Stammzellen gewinnen.

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