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Zweiklassen-Medizin? : Grippostatisch

  • -Aktualisiert am

Krankenkassen sollten die Kosten wirksamer Grippeimpfungen nicht scheuen. Bild: dpa

Im vergangenen Winter gerieten Ärzte in eine Zwickmühle: Der empfohlene Grippe-Impfstoff wurde von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Wer sich für Patientenschutz entschied, kämpft nun gegen Rückzahlungsforderungen.

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          Laut Weltgesundheitsorganisation sind Impfungen die wirksamste Maßnahme zur Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe bei Influenza. Das gilt freilich vorwiegend, wenn der Impfstoff die zirkulierenden Erreger abdeckt. Im vergangenen Winter, in dem die Grippe besonders stark wütete, war das nicht der Fall. Es gab zwar einen passenden Impfstoff (Vierfachimpfstoff). Dieser kostete allerdings ein paar Euro mehr als der kaum wirksame Dreifachimpfstoff und wurde mehrheitlich nur von den privaten, nicht hingegen den gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet. Wenig überraschend, machte der Vorwurf der Zweiklassen-Medizin schon bald die Runde. Die Ärzte befanden sich dabei in einer Zwickmühle.

          Da schon früh klarwurde, dass der Dreifachimpfstoff der Anforderungen nicht genügte, hatte die Ständige Impfkommission bereits im November zur Verwendung des Vierfachimpfstoffs geraten. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschuss, der über die Erstattungsfähigkeit medizinischer Maßnahmen befindet, stand gleichwohl noch aus – und das auch noch sehr lange. Um keine finanziellen Risiken einzugehen, verzichteten viele Ärzte inzwischen darauf, ihren Patienten das zielgenauere Vakzin zu verabreichen. Nicht alle waren hierzu allerdings bereit. So gab es einige, die ihre zumal alten und gebrechlichen Patienten mit dem besseren Vakzin impften.

          Diese Ärzte müssen sich jedoch bis heute, obwohl der Vierfachimpfstoff inzwischen vom Gemeinen Bundesausschuss zugelassen wurde, gegen Rückzahlungsforderungen der Krankenkassen wehren – und das, obwohl sie ihren Patienten möglicherweise das Leben gerettet oder sie vor schweren (und teuren) Komplikationen bewahrt haben. Denn die vergangene Grippewelle verursachte rund 21 000 Todesfälle und an die 60 000 Krankenhausbehandlungen. Keine Frage: Angesichts der hohen Gesundheitskosten ist ein haushälterischer Umgang mit den verfügbaren Mitteln unerlässlich. Längst nicht alles, was auf Kosten der Solidargemeinschaft verschrieben wird, erfüllt aber das Gebot der Wirtschaftlichkeit. Für eine wirksame Grippeimpfung trifft das allerdings nicht zu, im Gegenteil. Die Immunisierung mit einem passenden Vakzin dürfte ökonomischer sein als jene mit einem unpassenden. Medizinisch sinnvoller ist sie allemal.

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