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Neuroimaging : Hirnscan statt Klausur?

Können die Studenten auch wirklich all das auf’s Papier bringen, was sie im Kopf haben? Bild: Picture-Alliance

Das vermittelte Wissen in Examina abzufragen, kann mühsam sein. Wie elegant wäre es dagegen, den Studenten direkt in den Kopf zu schauen. Neurowissenschaftler haben es versucht.

          Wer schon einmal Schulkinder, Studenten oder andere Lernende mündlich auf ihr Verständnis geprüft hat, dem ist vielleicht auch gelegentlich eine der interessanteren Rechtfertigungen für mangelhafte Performance untergekommen: „Ich habe es verstanden, kann es aber nicht erklären.“ Auch wenn diese Aussage wie eine schlechte, stark metaphysisch aufgeladene Ausrede klingt, so verweist sie doch auf ein grundlegendes philosophisches Problem: Besitzen wir einen privilegierten und besonders zuverlässigen Zugang zu unseren eigenen mentalen Zuständen, den niemand sonst in Zweifel ziehen kann? Oder sitzen wir epistemisch mit unseren Mitmenschen im selben Boot, indem das, was in unserem Kopf vorgeht, sich zentral über mögliches, daraus folgendes Verhalten definiert? Wenn es um Prüfungen geht, ist diese Frage klar zugunsten der behavioristischen Alternative entschieden: Etwaiges Verständnis, das nicht in korrekte Antworten umgesetzt werden kann, ist schlicht irrelevant.

          Allerdings gibt es Hoffnung für diejenigen, die bislang mit ihrem rein solipsistischen Wissen vom Prüfungssystem im Stich gelassen wurden: Amerikanische Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, mit der anhand von Aktivitätsmustern im Gehirn die Beherrschung bestimmter theoretischer Konzepte nachgewiesen werden soll. Wie sie in „Nature Communications“ beschreiben, ließen sie dafür Studenten der Ingenieurswissenschaften sowie Studenten ohne entsprechende Vorkenntnisse die in bestimmten Situationen wirkenden physikalischen Kräfte analysieren, während per Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität der Studenten aufgezeichnet wurde. Unterschiede in den Hirnscans beider Gruppen führten die Forscher daraufhin auf physikalisches Vorwissen zurück.

          Außerdem prüften sie das physikalische Wissen der Studenten per Multiple-Choice-Test. Eine multivariate Analyse der neuronalen Daten zeigte daraufhin, dass eine auf Aktivitätsmustern im Hirn beruhende Bewertung des physikalischen Verständnisses der Studenten mit deren individuellem Abschneiden in den klassischen Tests übereinstimmte. Und was, wenn das neuronale Ergebnis immer noch nicht zu der subjektiven Empfindung des eigenen Wissens passt? Kein Problem: Findige Studenten können schließlich immer noch behaupten, dass sich ihr Wissen offenbar in untypischen neuronalen Mustern ausdrückt.

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