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Kaffee : Nicht nur der Leber zuliebe

  • -Aktualisiert am

Kaffeebohnen: Kampfmittel gegen Krebs Bild: AP

Lange Zeit haben Mediziner reichlichen Kaffeekonsum sehr kritisch gesehen. Doch neuere Studien werfen ein ganz anderes Licht auf das beliebte Getränk. Offenbar hilft es, von Krebs bis Diabetes schweren Krankheiten vorzubeugen.

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          „A coffee with your brandy, Sir?“ steht nicht nur für englische Clubtradition. Jüngste Beobachtungen geben dieser Frage sogar einen medizinisch begründbaren Sinn. Der Genuss von Kaffee vermag nämlich das Risiko, dass sich ein Leberzell-Karzinom entwickelt, um fast 40 Prozent zu senken. Das ist das Fazit einer in Italien vorgenommenen Auswertung von elf internationalen Studien. Es fand sich sogar eine direkte Beziehung zwischen Kaffeekonsum und Zellschutz: Je mehr getrunken wurde, desto geringer war das Karzinom-Risiko. Die günstige Wirkung blieb auch dann erhalten, wenn bereits eine chronische Hepatitis oder eine Leberzirrhose vorlagen, wie Robert Thimme und Hubert Blum von der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg in der Zeitschrift „Der Gastroenterologe“ (Bd. 3, S. 53) unter Bezug auf die italienische Studie ausführen.

          Man vermutet, dass verschiedene Komponenten zumindest im ungefilterten Kaffee zum Zellschutz beitragen, etwa das Kafestol. Es erhöht zum Beispiel die Konzentration von Gluthation, einem Eiweiß, das auch in der Leber verschiedenen Schäden im Zellstoffwechsel vorbeugt. Koffein selbst lagert sich dem sogenannten A2A-Rezeptor an der Oberfläche von Zellen an. Dadurch wird beispielsweise die übermäßige und für die Leberzellen schädliche Aktivität von Entzündungszellen gehemmt.

          Kein Abbau in unbrauchbares Gewebe

          Theophyllin, eines der Abbauprodukte von Koffein, aber wohl auch Koffein selbst verhindern, dass sich funktionstüchtiges Organgewebe in unbrauchbares, narbiges Bindegewebe verwandelt. Das wurde zumindest bei der Niere und Lunge nachgewiesen. Es könnte ebenso ein Schutzmechanismus für die Leber sein, denn auch bei der Zirrhose, die sich infolge einer Virushepatitis oder der Alkoholsucht entwickelt, wird Lebergewebe in Bindegewebe umgewandelt. Die meisten Leberzell-Karzinome entstehen in Zusammenhang mit einer Zirrhose.

          Rehabilitiert: der schnelle Kaffee zwischendurch

          Ein einheitliches Bild von all diesen Wirkungen gibt es freilich noch nicht. Vor allem ist bislang offen, ob Kaffee insbesondere die durch Alkohol bedingte Leberzirrhose aufzuhalten vermag, wie eine Untersuchung aus England es nahe legt. Deshalb dürften solche Beobachtungen keinesfalls dahin gehend missverstanden werden, Alkoholkranke könnten weiter trinken, wenn sie nur genügend Kaffee konsumierten, warnt Stuart Kendrick von der Universität Newcastle (“Journal of Hepatology“, Bd. 46, S. 980).

          Vorbeugung von Alters-Diabetes

          Bislang war eher unklar, ob Kaffee leberkranken Patienten schadet oder nicht. In manchen Ratgebern findet man den Hinweis, ihn eher zu meiden. Die Freiburger Ärzte sehen nun keinen Grund mehr, diesen Kranken vom Kaffee abzuraten. Andere aktuelle Beobachtungen sprechen ebenfalls für das beliebte Getränk. Eine Veröffentlichung der Harvard-Universität über die Trinkgewohnheiten von mehr als 80.000 Frauen der Nurses' Health Study zeigt, dass Kaffeekonsum auch das Risiko für Eierstockskrebs zu senken vermag. Dies gilt vor allem für diejenigen Frauen, die zuvor nie die Pille genommen haben („Cancer“, doi:10.1002/cncr.23275).

          Nicht ganz so einheitlich stellen sich die Befunde für Diabetiker und Schwangere dar. Aus der amerikanischen Duke-Universität in Durham wird zum wiederholten Male gemeldet, dass Kaffeekonsum den Blutzuckerspiegel in die Höhe treibt. Vor allem die Werte nach den Mahlzeiten lagen um bis zu 25 Prozent höher, wenn Diabetiker in der Testphase zusätzlich zu zwei Tassen Kaffee am Tag noch Koffein in Kapseln zu sich nahmen. Allerdings gibt es gegenteilige Befunde, wonach mehr als vier Tassen Kaffee am Tag bei Diabetikerinnen die Konzentration des Adiponektins im Blut erhöht. Dieses Hormon aus den Fettzellen schützt eher vor einer Entgleisung des Zuckerstoffwechsels. Es wurde zudem gezeigt, dass Kaffeetrinken der Entwicklung eines Diabetes im Alter vorbeugt.

          Wenig Kaffee, höheres Risiko einer Fehlgeburt

          Für Schwangere gelten offiziell 300 Milligramm Koffein am Tag als unbedenklich. Das entspricht etwa drei Tassen Kaffee, sechs Tassen schwarzem Tee oder acht Gläsern Cola. Eine amerikanische Studie deutet jetzt aber darauf hin, dass schon zwei Drittel dieser Menge im Vergleich zum völligen Verzicht auf Koffein das Risiko für eine Fehlgeburt verdoppeln (“American Journal of Obstetrics“, doi:10.1016/j.ajog.2007.10.803). Allerdings konnte bei einer ebenfalls aktuellen Untersuchung von Schwangeren in Israel kein Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Fehlgeburtsrisiko festgestellt werden (“Epidemiology“, Bd. 19, S.55). Seit Jahren wird letztlich ohne eindeutiges Ergebnis über diese Frage in der Fachwelt diskutiert. Einige Frauenärzte raten gleichwohl zur Vorsicht. Manche Schwangere entwickelt aber ohnehin einen Widerwillen gegen Kaffee und meidet ihn.

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