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Wie Kiffen wirkt : Laborratten der Drogenpolitik

„Legalisierung liegt in der Luft“: Ein junger Demonstrant bei der diesjährigen Hanfparade in Berlin Bild: dpa

Können Jugendliche mit Cannabis umgehen, ohne sich zu schaden? Die gern betriebene Verharmlosung hat mit der medizinischen Wirklichkeit wenig zu tun. Die Daten zum Gefährdungspotential sind inzwischen erdrückend.

          Vom Rauschgift zum verführerischen Rohstoff: Wenn es um Cannabis geht, ist man derzeit schnell am Staunen, bei Superlativen - und im Streit. Es ist ein Streit um Illegalität und um Legalisierung, der allerdings international fast nur eine Richtung kennt: Der Hanf lässt hoffen. In Headshops und im Internet überbieten sich die Anbieter. Die Cannabis-Industrie expandiert, der Konsum nimmt zu.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wenn man sich dazu noch die politische Großwetterlage ansieht, dann wird nicht erst seit den jüngsten Mehrheitsentscheidungen in einem halben Dutzend amerikanischer Bundesstaaten klar: Cannabis rückt international als erstes und vielerorts immer noch illegales Rauschmittel näher als jeder andere Suchtstoff ran an die Freizeitdroge Nummer eins, Alkohol.

          Der regelmäßige Marihuana-Konsum kann gravierende Folgen haben.

          Ordnungspolitisch ist das Ziel klar: Die Cannabis-Freigabe soll der organisierten Drogenkriminalität das Wasser abgraben, die uferlosen „Drogenkriege“ beenden und einen Frieden mit dem „geringsten Übel“ ermöglichen. Das „Recht auf Rausch“ wird wegen anhaltender Erfolglosigkeit der restriktiven Drogenpolitik am Cannabis als dem vermeintlich harmlosesten Rauschmittel festgemacht. Fast überall im Westen wird der Ruf nach einer Liberalisierung laut. Im Deutschen Bundestag steht dafür der Entwurf für ein Cannabis-Kontrollgesetz der Grünen, der auf einen regulierten, legalen Markt und die Herausnahme aus dem strafrechtsbewehrten Betäubungsmittelgesetz zielt.

          Gefährliche Verharmlosung des Freizeitkonsums

          Die Crux an dem Versuch einer drogenpolitischen Reinwaschung: Medizinisch gesehen, letzten Endes auch gesundheitspolitisch, könnte sich die Cannabisfreigabe als Büchse der Pandora erweisen. Nicht unbedingt, wenn es um die Nutzung von Cannabis als Therapeutikum geht, das für ganz spezielle Schmerzbehandlungen fast durchweg befürwortet wird, und für das noch in dieser Legislaturperiode eine verschreibungspflichtige Freigabe in Tablettenform mit den entsprechenden Cannabis-Inhaltstoffen - Cannabinoiden - wahrscheinlich ist.

          Um was es den „Gesundheitsaposteln“ geht, ist vielmehr die Verharmlosung des Freizeitkonsums - und der Konsequenzen vor allem für das Konsumverhalten von Jugendlichen. Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Martina Wenker, hat das auf einem Expertenworkshop zum „verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis“ in Göttingen jüngst deutlich gemacht: „Es gibt inzwischen eine erschreckende Datenlage, dass Cannabis sowohl psychisch wie physisch schädigt.“ Wird die Droge als Genussmittel akzeptiert, so Wenker, „wird der Gedanke der Primärprävention in der Gesundheitspolitik völlig konterkariert“.

          Auf einer Kundgebung des Deutschen Hanfverbandes auf dem Münchner Stachus.

          Bundespolitisch hat sie da bis auf weiteres wenig zu befürchten. Jedenfalls war der Strafrichter Christoph Dössinger, der im Arbeitsstab der Bundesdrogenbeauftragten für die illegalen Drogen zuständig ist, auf der Göttinger Veranstaltung mit seiner Standortbestimmung eindeutig: „Für eine Änderung der bestehenden Gesetzeslage gibt es gar keinen Anlass.“ Das Gleiche gilt nach seinem Dafürhalten für das Völkerrecht, auch wenn die Welle an nationalen Legalisierungen weiter über den Globus rollt. „Änderungen müssten medizinisch evidenzbasiert sein“, sagte Dössinger, und damit sieht es für ihn derzeit düster aus. „In meinem Gericht erlebe ich es selbst, wie viele Cannabis-Konsumenten schon bei der Personalienaufnahme erkennbare Hirnschäden zeigen.“

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