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Jeder fünfte Student nimmt Pillen : Hirndoping boomt an Universitäten

Hilft das Neuro-Enhancement nur bei der Defizitbehebung? Bild: dpa

Jeder fünfte deutsche Student nutzt künstliche Mittel zur Leistungsförderung. Das zeigt die bisher größte und aussagekräftigste Studie von Mainzer Wissenschaftlern und Medizinern.

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          Hirndoping ist an Universitäten offenbar viel weiter verbreitet als gedacht.  Im Schnitt nimmt jeder fünfte Student  zumindest phasenweise Pillen,  die dafür sorgen sollen, dass er sich besser konzentrieren kann oder beim Lernen nachts länger durchhält.  Dazu gehören Koffein-Tabletten zum Aufputschen, aber prinzipiell auch harte verschreibungspflichtige Mittel -  beispielsweise Stimmungsaufheller und Arzneien zur Behandlung  seelischer Leiden wie Ritalin gegen das  ADHS-Hyperaktivitätssyndrom, Modafinil gegen Schläfrigkeit, Alzheimer-Medikamente sowie  Amphetamine wie Mephedron oder illegale  Drogen. 

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In der Fachzeitschrift „Pharmacotherapy“ (Bd.33, S.44) präsentieren Mainzer Wissenschaftler die Ergebnisse der bisher umfangreichsten und aussagekräftigsten Hochschulstudie zum Thema  Leistungssteigerung durch „Neuro-Enhancement“.

          Nicht so schlimm wie in Amerika, dachten viele

          Jahrelang waren die meisten Experten davon ausgegangen, dass der Anteil an Schülern, Studenten und Wissenschaftlern, die ihre kognitiven Leistungen mit Hilfe von Pharmasubstanzen zu verbessern versuchen, hierzulande kaum über drei bis fünf Prozent liege. So lauteten jedenfalls die Ergebnisse einiger weniger anonymer Online-Befragungen und Fragebogenaktionen. Selbst nachdem im Jahr 2008 die renommierte britische Zeitschrift „Nature“ nach einer anonymen Umfrage unter ihren Lesern – vornehmlich Naturwissenschaftlern – von einem Anteil von 20 Prozent berichtet hatte, waren viele immer noch nicht überzeugt, dass an deutschen Hochschulen ähnliche Verhältnisse eingekehrt sein könnten wie bekanntermaßen an amerikanischen Universitäten. Eine Online-Befragung von 3000 Büroangestellten ein Jahr später verstärkte diese Auffassung noch. Nur fünf Prozent gaben in der Umfrage der Deutschen Angestellten Krankenkasse an, mindestens einmal im Leben auf psychostimulierende Substanzen zurück gegriffen zu haben.

          Doch schon eine kleinere Erhebung mit 512 Universitätsstudenten in Mainz vor zwei Jahren hatte  gezeigt, dass zumindest die Koffein-Tabletten auf dem Campus geschätzt werden. Von den hierzulande lediglich in Apotheken erhältlichen, hochdosierten Tabletten sollte man nie mehr als eine schlucken, oft nur eine halbe je nach Dosierung. Viele Nutzer jedoch nehmen, wie die einschlägigen Foren im Internet zeigen, schnell mal drei oder mehr am Tag. Mehr als zehn Prozent der befragten Mainzer Studenten hatte angegeben, mindestens schon einmal eine Koffein-Tablette probiert zu haben. Bei 3,8 Prozent lag die Einnahme nicht einmal ein Jahr zurück.

          Das menschliche Gehirn: Sichtbar gemacht sind hier Nervenbahnen der weißen Hirnsubstanz, die verschiedene Regionen verknüpfen.
          Das menschliche Gehirn: Sichtbar gemacht sind hier Nervenbahnen der weißen Hirnsubstanz, die verschiedene Regionen verknüpfen. : Bild: Martinos Center for Biomedical Imaging, Randy Buckner


          Nach dieser Erfahrung ließen die  Mainzer Sportwissenschaftler und Psychiater um Klaus Lieb und Simon Perikles, die seit Jahren Daten über Doping sammeln, nicht nach. Im Gegenteil. Mit einer  noch größeren und methodisch moderneren, zuverlässigeren Fragetechnik hakte ihr Team um Pavel Dietz und Rolf Ulrich nun bei 2834 Studenten in verschiedenen Fakultäten nach.  Mit bemerkenswertem Erfolg – und einer ersten Überraschung:  Denn die allermeisten Befragten antworteten anders als früher. In den 2569 zurückgesandten und 2557 ausgewerteten Fragebögen  gaben in der neuen Studie exakt 20 Prozent an, in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal Hirnstimulantien verwendet zu haben. Lediglich drei Prozent gaben an, die Psychopharmaka wegen psychiatrischer Störungen vom Art verschrieben zu bekommen.

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