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Gesünder grillen : Macht uns zu viel Alu im Essen dumm?

  • -Aktualisiert am

Wie ungesund ist das Grillen mit einer Aluschale wirklich? Bild: dpa

Wer besonders schonend grillen will, soll Schalen aus Aluminium verwenden – dann kann nichts verbrennen oder in die Glut tropfen. Aber ist das wirklich ein guter Rat?

          Die Saison ist eröffnet. Neben Steak, Tofuwürstchen und Gemüsespießen kommt häufig auch Aluminium auf den Rost – in Form von Grillschalen und Aluminiumfolie. Einiges von dem Leichtmetall löst sich beim Kontakt mit Lebensmitteln. Ist das ein Problem?

          Sicher ist: Auch wenn Aluminium nicht als Kochutensil verwendet wird, gelangt es mit der Nahrung in unseren Körper. Aluminium ist das dritthäufigste Element und häufigste Metall in der Erdkruste. Es kommt schon von Natur aus in diversen Lebensmitteln vor. Dazu gehören viele Gemüsesorten, Gewürze, Tee und Kakao, auch im Trinkwasser ist es enthalten. Während der menschliche Körper ohne Eisen, dem zweithäufigsten Metall, nicht lebensfähig wäre, kommen wir wunderbar ohne Aluminium klar. Der Körper braucht es genauso wenig wie beispielsweise Silber oder Gold. Das Aluminium, das wir über die Nahrung aufnehmen, wird normalerweise zu 95 Prozent über die Nieren wieder ausgeschieden. Das funktioniert bei Nierenkranken allerdings nicht. Auch Kinder, deren Entgiftungssystem noch nicht richtig ausgereift ist, sollten so wenig Aluminium wie möglich aufnehmen. Auch bei gesunden Menschen sammelt sich das nicht ausgeschiedene Aluminium im Laufe des Lebens an, vor allem in der Lunge und in den Knochen.

          Grenzwert für das Leichtmetall

          Aus Tierversuchen hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge über die Nahrung von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht abgeleitet. „Diese Menge kann ein Mensch sein Leben lang aufnehmen, ohne dass es eine spürbare Auswirkung auf seine Gesundheit hat“, sagt Stefan Merkel von der Fachgruppe Sicherheit von Produkten mit Lebensmittelkontakt beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). „Da man diesen Wert zu einem großen Teil schon über die Nahrungsaufnahme ausgeschöpft hat, empfehlen wir, eine weitere Aluminiumaufnahme so gut wie möglich zu vermeiden.“ Eine moderate Überschreitung des Grenzwertes heiße allerdings nicht automatisch, dass eine Gefahr für die Gesundheit bestehe, dadurch werde lediglich der Sicherheitsabstand zu der im Tierversuch toxischen Aufnahmemenge verringert.

          Weil Mensch und Tier verschieden auf Giftstoffe reagieren, hat die Efsa bei der Festlegung des Wertes von einem Milligramm pro Kilo Körpergewicht und Woche einen Puffer eingebaut. „Bei Tieren wirkt sich eine zu hohe Aluminiumaufnahme negativ auf das Nervensystem, die Knochenentwicklung und die Fruchtbarkeit aus“, sagt Merkel. Wissenschaftler haben zum Beispiel im Versuch mit Mäusen gezeigt, dass Tiere, die ihr ganzes Leben lang hohe Dosen Aluminium aufgenommen haben, vor allem im Gehirn geschädigt waren.

          Was ist hier wohl ungesünder, die Bratwurst oder die Alufolie?

          Da sich jeder Mensch anders ernährt und Pflanzen je nach Art und Standort sehr unterschiedliche Mengen Aluminium aufnehmen, ist es unmöglich, eine genaue Aussage darüber zu treffen, wie viel des Metalls wir insgesamt über Lebensmittel aufnehmen. Die Efsa schätzt, dass sich der Wert zwischen 0,2 und 1,5 Milligramm Aluminium pro Woche und Kilogramm Körpergewicht bewegt. Das entspricht bei einem 60 Kilogramm schweren Erwachsenen also 1,7 bis 13 Milligramm pro Tag. Ein großer Teil der Bevölkerung bekommt also ohnehin schon mehr ab als empfohlen.

          Um sich nicht zusätzlich durch den Umgang mit Kochgeschirr aus Aluminium zu belasten, empfehlen Experten, sich am ALARA-Prinzip zu orientieren. Dieses aus dem Strahlenschutz bekannte Akronym steht für „as low as reasonably achievable“, auf Deutsch „so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“. Und setzt, der Name lässt es bereits erahnen, auf den gesunden Menschenverstand. „Wir sollten versuchen, uns generell so wenig Umweltschadstoffen wie möglich auszusetzen“, sagt Edmund Maser, Toxikologe an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. „Denn selbst wenn einzelne davon als unbedenklich gelten, weiß niemand, welche Wechselwirkungen es möglicherweise gibt, und es steht zu befürchten, dass mehrere Schadstoffe sich in ihrer toxischen Wirkung verstärken.“

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