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Im Gespräch : Leise Hoffnung für Afrika

Der sichere Umgang mit den Toten ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg im Kampf gegen die Seuche. Bild: Polaris /Studio X

Die Infektionsraten sinken, die ersten Ebola-Impfstoffe sind unterwegs.

          Die Ebola-Epidemie ist zu Ende. Allerdings nur in Mali. Der westafrikanische Staat gab vergangene Woche offiziell Entwarnung, nachdem innerhalb von 42 Tagen keine Neuinfektionen mehr aufgetreten waren. In den übrigen betroffenen Ländern zählt die Weltgesundheitsorganisation allerdings nach wie vor neue Fälle.

          Sonja Kastilan

          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit dem Ausbruch in Guinea im März 2014 sind mehr als 21200 Menschen an dem tödlichen Ebola-Virus erkrankt, mehr als 8300 von ihnen starben. Und noch immer gelten Guinea, Liberia und Sierra Leone als die drei Kernländer der Epidemie. In den beiden erstgenannten sanken die Infektionsraten deutlich: Mit 42 beziehungsweise 8 bestätigten Fällen in der zweiten Januarwoche lagen die Werte erstmals unter dem Niveau von August beziehungsweise Juni, bevor die Ansteckungen extrem zugenommen hatten. In Sierra Leone hingegen wurden wieder 184 Neuinfektionen gemeldet. Dort sei die Lage noch immer sehr besorgniserregend, sagt Gabriele Casini von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“.

          Zur insgesamt verbesserten Situation hätten die Anstrengungen der letzten Monate und das veränderte Verhalten von Teilen der Bevölkerung bei den Bestattungen beigetragen. „Inzwischen erscheint es realistisch zu sagen, dass wir den Ausbruch stoppen können. Aber die Epidemie ist noch lange nicht vorbei“, sagt Casini. Oft mangele es vor Ort an Koordination, Logistik und Training. Jeder Fall, mit dem nicht richtig umgegangen werde, könne sich in einen neuen „Hotspot“ verwandeln oder das Virus in bereits freie Gebiete einschleppen.

          Mali musste im Gegensatz zu anderen betroffenen Ländern nur sechs Opfer begraben. Hier hätten sich die guten Vorsorgemaßnahmen und die Wachsamkeit gegenüber eingeschleppten Infektionen bewährt. Wichtig sei auch die Bereitschaft gewesen, den ersten bestätigten Patienten wie einen nationalen Notfall zu behandeln. Das sei ein „Unterschied wie Tag und Nacht“, heißt es im Vorbericht zu einem Treffen des WHO Executive Boards, das am 25. Januar in Genf beginnt. Auch Nigeria und Senegal hätten das Virus abwehren können, bevor es Fuß fassen konnte, weil die nötigen Kontrollen sowie eine angemessene Laborausstattung verfügbar und einsatzbereit waren.

          Seit Monaten im Alarm-Zustand

          Das Ebola-Virus erreichte Mali recht spät. Als am 23. Oktober eine Infektion bei einem zweijährigen Kind bestätigt wurde, war man schon seit Monaten in Alarmbereitschaft und wusste, was zu tun war. Man suchte beispielsweise sämtliche Kontaktpersonen, isolierte sie, wenn erforderlich, und beobachtete sie innerhalb der Inkubationszeit von 21 Tagen regelmäßig. Rings um die acht Patienten im Land waren schließlich 433 Kontakte aufzuspüren; dafür wurden auch Medizinstudenten herangezogen, die man auf diese besondere Situation vorbereitet hatte. Außerdem wurde eine Telefon-Hotline für die Bevölkerung eingerichtet, über die bis zu sechstausend Anrufe täglich eingingen. Angst und Missverständnisse bezüglich der Krankheit herrschten hier zwar ebenfalls. Aber man nahm diese Sorgen ernst.

          Eines der größten Probleme beim Kampf gegen Ebola ist und bleibt die Abwehrhaltung der dörflichen Gemeinschaften. Wie wichtig es ist, die Gemeinden miteinzubeziehen, wird in dem WHO-Bericht immer wieder betont. Ohne ihre Kooperation ließen sich wichtige Maßnahmen nicht umsetzen, etwa die Kontaktsuche, die Beobachtung früher Symptome, der nötige Schutz vor Ansteckung und sichere Bestattungen. Sollten sich Patienten zu Hause verstecken oder Ebola-Opfer heimlich bestattet werden, dann könnten auch genügend Helfer sowie Isolier- und Behandlungsstationen nicht viel bewirken. Außerdem nütze eine Maßnahme allein nur wenig. Um die Seuche einzudämmen, müssten alle Schutzvorkehrungen nahtlos ineinandergreifen, heißt es.

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