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Gesundheit : Kaffee - was tust du mir an?

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Abgesehen von diesen körperlichen Faktoren, besitzt die Wirkung von Kaffee aber offenkundig auch eine psychosoziale Komponente. So verstärkt oder dämpft die Erwartungshaltung der Konsumenten und ihre bisherige Erfahrung mit Koffein dessen Wirkung. Wer sich morgens müde aus dem Bett kämpft und die Lebensgeister mit einem Espresso zu wecken sucht, dem wird das höchstwahrscheinlich gelingen - wenn er fest genug daran glaubt. Und wer Angst hat, nachts kein Auge zuzutun, weil er abends eine Tasse Kaffee getrunken hat, wird in der Konsequenz vermutlich Schwierigkeiten haben, einzuschlafen. Und hat man einmal die Erfahrung gemacht, dass die eigenen Erwartungen bestätigt wurden, schließt sich der Kreis.

Renaissance des Filterkaffees

Solche Erfahrungen machen viele, weil Kaffee längst zum Volksgetränk geworden ist - durchschnittlich 162 Liter trank jeder Deutsche davon im Jahr 2014. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes können da nicht einmal Wasser (143 Liter) und Bier (107 Liter) mithalten. Ihren Ursprung hat diese Entwicklung in den 1950er Jahren, als der Bohnenkaffee in Deutschland erschwinglich wurde und die Supermärkte erreichte. In den 1980ern breitete sich dann die italienische Espressokultur in Deutschland aus, und mittlerweile kann man eine dritte Welle beobachten: die Renaissance des Filterkaffees.

Für die Verfechter der Vollautomaten und Pads, die den schnellen Genuss auf Knopfdruck schätzen, mag das überraschend klingen. Das Statistische Bundesamt jedenfalls ermittelte, dass im Jahr 2014 knapp 85 Prozent der deutschen Haushalte mit mindestens einer Kaffeemaschine ausgestattet waren. Am häufigsten war mit 62 Prozent tatsächlich die Filtermaschine anzutreffen. „Als ich mit dem Kaffeetrinken angefangen habe, war Filterkaffee kein Thema. Die Qualität, die Filterkaffee heute bietet, war damals unbezahlbar“, erinnert sich Mathias Stalter, der kürzlich in Frankfurt am Main eine Kaffeebar eröffnet hat.

Viel Aroma, aber bitte ohne Gerbstoffe

Aber vielleicht spielt bei der Wiederbelebung des Filterkaffees außer dem Geschmack auch das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher eine Rolle. Denn vielen Kaffeetrinkern wurde schmerzhaft bewusst, dass die Kaffeebohne nicht nur schmackhafte Aromastoffe enthält. „Wenn man Kaffee aufbrüht, werden zuerst die Säuren aus der Bohne extrahiert“, sagt Stalter. „Darauf folgen die Aromastoffe und als Letztes gelangen die Gerb- und Bitterstoffe in das Wasser. Wir wollen, dass möglichst viele Aromastoffe ins Wasser übergehen, ohne dass diese Substanzen mit extrahiert werden.“ Eine Tasse guten Filterkaffees enthält daher davon weniger als eine mit Automatenkaffee - und ist deswegen bekömmlicher, denn besagte Gerb- und Bitterstoffe können die Magenschleimhaut angreifen.

Ob das Kaffeetrinken bei dem von König Gustav begnadigten Gefangenen solche Folgen hatte, ist leider nicht überliefert. Auch die Auswirkungen des Teetrinkens auf die Gesundheit seines Bruders sind im Detail nicht bekannt. Immerhin überlebten die beiden ehemals Todgeweihten nicht nur die Mediziner, die sie überwachten, sondern auch ihren König: Gustav III. wurde 1792 auf einem Maskenball ermordet.

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