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Gesundheit : Kaffee - was tust du mir an?

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Alltagsdroge aus der Tasse

Eine regelrechte Kaffeesucht wird zahlreichen historischen Persönlichkeiten nachgesagt, darunter etwa dem Schriftsteller Honoré de Balzac oder dem Mathematiker Alfréd Rényi, von dem der Ausspruch überliefert ist: „Ein Mathematiker ist eine Maschine, die Kaffee in Sätze verwandelt.“

Tatsächlich kann man sich an das Koffein im Kaffee gewöhnen. Auch wenn dessen Wirkung oft subjektiv ist, lässt sich diese Gewöhnung an objektiv messbaren Größen wie zum Beispiel dem Blutdruck nachweisen: Bei manchen Menschen kommt es kurz nach dem Kaffeekonsum zu einer Erhöhung des Blutdrucks, die bis zu einer halben Stunde anhält. Daher rührt auch die weitverbreitete Vermutung, Kaffee könnte Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.

Trinken die Betroffenen jedoch zwei bis drei Wochen lang regelmäßig Kaffee, fallen die Blutdruckerhöhungen bereits deutlich geringer aus oder verschwinden sogar ganz. Damit wäre für die Pharmazeutische Zeitung auch das Thema Kaffee und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vom Tisch.

Auf Entzug

Die Kaffee-Skeptiker beruhigt das nicht. Sie horchen auf, wenn es um den Gewöhnungseffekt geht und wittern eben die Gefahr der Kaffeesucht. Tatsächlich beschreiben zahlreiche Studien, wie der Kaffee-Entzug Probanden körperlich zusetzt. Von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und sogar Angstzuständen ist dort die Rede. Andere Untersuchungen weisen aber darauf hin, dass beim Kaffeegenuss völlig andere Hirnareale aktiviert werden als beim Missbrauch von Drogen. Die Pharmazeutische Zeitung etwa schrieb 2007, dass Koffein und sein Abbauprodukt Theophyllin im Körper mit dem Signalmolekül Adenosin konkurrierten und so dessen Rezeptor blockierten. Suchterregende Stoffe dagegen würden typischerweise die Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin fördern. Deshalb habe Kaffee ein äußerst niedriges Suchtpotential.

Eine 2013 im Journal of Caffeine Research veröffentlichte Studie widerspricht allerdings dieser Einschätzung und weist darauf hin, dass Koffein indirekt durchaus die Dopaminausschüttung fördere, indem es die dämpfende Wirkung des Adenosins blockiere.

Auch Tierversuche bringen keine Klarheit

Macht Kaffee nun süchtig oder nicht? Auch Tierversuche scheinen in dieser Frage nicht weiterzuhelfen. Will man testen, ob eine Substanz abhängig macht, verabreicht man diese gerne Laborratten. Nach einem bestimmten Zeitraum stellt man die Ratten vor die Wahl. Sie werden nicht mehr zur Einnahme gezwungen, können sich das Koffein aber selbst zuführen. Tun sie das, liegt ein Indiz für Suchtgefahr vor. Im Fall von Koffein liefern solche Experimente widersprüchliche Ergebnisse. In der einen Studie scheinen die Ratten nicht mehr vom Koffein lassen zu können, in der anderen kommen sie mühelos ohne den Stoff aus.

Trotz all der Unklarheiten, was die Wirkung des Koffeins betrifft, steht eines immerhin fest: Wie stark diese Wirkung jeweils ausfällt, hängt auch vom Konsumenten ab. Denn der Körper baut Koffein mit Hilfe des Enzyms CYP1A2 ab, und wenn ein Kaffeetrinker eine besonders leistungsstarke Variante dieses Enzyms besitzt, dann kann er Koffein schneller abbauen, und die Wirkung des Kaffees hält entsprechend kürzer an.

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