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Interview mit Nobelpreisträger Südhof : „Das war natürlich ein Schock“

Die ehemalige Sekretärin des Nobelpreisträgers Thomas Südhof, Gabriele Endo, hält im Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen ein Portraitfoto von Südhof in den Händen. Bild: dpa

Ein Aushängeschild für Deutschland? Wohl kaum. Gleich zweimal hat die Max-Planck-Gesellschaft den Spitzenforscher wieder weg geschickt.

          9 Min.

          Herr Professor Südhof, selten war die Frage, ob ein Nobelpreisträger ein amerikanischer oder ein deutscher ist, so stark diskutiert worden. Ist es nun ein deutscher Nobelpreis, der an Sie ging?

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Für mich ist die Frage nicht vorrangig. Ich fühle mich in vieler Hinsicht als Deutscher, aber ich bin kein deutscher Staatsbürger, weil ich vor langer Zeit den amerikanischen Pass angenommen habe. Das war organisatorisch notwendig.

          War Ihnen klar, dass Sie in Amerika bleiben würden, als Sie nach dem Intermezzo als Max-Planck-Direktor zurück nach Dallas gingen?

          Klar war mir das nicht, vor allem nicht nach der Geschichte in Göttingen.

          Medizin-Nobelpreisträger 2013: Thomas Südhof
          Medizin-Nobelpreisträger 2013: Thomas Südhof : Bild: VISTA

          Was war passiert? Sie haben schon mehrfach zu Protokoll gegeben, dass der ehemalige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, Sie quasi zurück nach Amerika geschickt hätte. Einen kürzlich berufenen Max-Planck-Direktor wegzuschicken, ist alles andere als üblich. Mir hat Herr Markl jetzt noch mal versichert, er habe Sie bestimmt nicht aus Deutschland vertreiben wollen.

          Er hat mir wortwörtlich gesagt: Gehen Sie doch zurück nach Amerika.

          Was war vorgefallen? Weswegen wollte man Sie nicht halten?

          Als ich auf den Direktoriumsposten am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin berufen wurde, gab es die Vorgabe, das Institut neu zu gestalten im Sinne der Neurobiologie. Deswegen bin ich nach Göttingen gekommen. Das war mir auch wichtig. Da ich in Deutschland einen Mangel an molekularen Methoden sah, habe ich eine Lücke gesehen. Damit hatte ich angefangen als Max-Planck-Direktor. Dann wurde Professor Markl Präsident, und er hat die Lage anders gesehen und verändert. Er hat einen weiteren auswärtigen Direktor berufen, Herrn Professor Huber, einen berühmten Kristallographen, der dann mit Herrn Professor Hilschmann, einen Immunologen der kurz vor der Emeritierung stand, die Berufungen am Institut organisieren sollte. Damit war ich nicht einverstanden. Das waren nicht die Voraussetzungen, die ich mir erhofft hatte. Professor Markl wurde daraufhin ungeduldig.

          Hatten Sie damals schon ein konkretes Angebot aus Dallas?

          Ich hatte ständig Angebote, und viele von amerikanischer Seite. Ich war ja auch damals schon ziemlich bekannt.

          Sie waren seinerzeit als Direktor aber im Prinzip unkündbar.

          Natürlich, mich hätte niemand herausschmeißen können, es hätte mir nichts passieren können. Wenn ich etwas älter und reifer gewesen wäre, hätte ich vielleicht auch anders reagiert und einfach ausgesessen.

          Von dem jetzigen Direktor am Max-Planck-Institut, Herrn Stühmer, wurde jüngst angedeutet, dass Sie womöglich wegen der besseren Gehälter in die Vereinigten Staaten gegangen sind.

          Am persönlichen Gehalt hat es überhaupt nicht gelegen. In der Wirtschaft mögen die Gehälter besser sein in den Vereinten Staaten, in der Forschung sind sie es nicht. Das Gehalt als Max-Planck-Direktor ist wahrscheinlich besser als das, was ich hier verdiene.

          Was ist damals in Ihnen vorgegangen, muss man die Aufgabe eines so hohen Max-Planck-Postens nicht auch als Affront ansehen?

          Das war natürlich für die Max-Planck-Gesellschaft ein Schock. Ich war wohl der Erste, der das gemacht hat. Für mich war das auch durchaus ein Verlust an Sicherheit und Macht. Aber wir forschen nicht um der Sicherheit und Macht willen, sondern weil wir daran glauben, was wir tun.

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