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Insulin zum Inhalieren : Lungenzug gegen Diabetes

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Eine mögliche Lösung für Zuckerkranke: Insulinspritze/-pen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Insulin zum Inhalieren: Achtzig Jahre nach der Einführung der Insulininjektion ist die erste neue Darreichungsform für dieses lebenswichtige Hormon zugelassen worden.

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          In Europa und den Vereinigten Staaten haben die Arzneimittelbehörden in der vergangenen Woche Insulin zum Inhalieren zugelassen. Achtzig Jahre nach der Einführung der Insulininjektion ist dies die erste neue Darreichungsform für dieses lebenswichtige Hormon. Alle Versuche, Insulin in Tablettenform anzubieten, sind bislang gescheitert. Bei dem neuen Pfizer-Produkt namens Exubera handelt es sich um ein Insulinpulver, das vor den Mahlzeiten inhaliert wird. Über die rund hundert Quadratmeter große Oberfläche dieses Organs gelangt das Insulin schneller ins Blut als durch die Injektion. Wie die klinischen Studien zeigen konnten, ist die maximale Konzentration beim Inhalieren schon nach 49 Minuten erreicht, beim Injizieren erst nach 105 Minuten.

          Das neue Produkt wurde für Erwachsene mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes zugelassen. Kinder und Jugendliche sind von der Behandlung ausgenommen. Beim Typ 1 Diabetes wird kein Insulin produziert, beim Typ 2 Diabetes reagieren die Anlaufstellen im Körper nicht mehr auf das Hormon, so daß immer weniger entsteht. Während der klinischen Prüfung wurden zwei Bedenken an der neuen Darreichungsform geäußert. Es wurde Kritik an der geringen Bioverfügbarkeit des inhalierbaren Insulins laut, und es wurde auf eine mögliche Reizung der Lunge durch das Hormon verwiesen. Für eine Reizung der Lunge ließen sich in den klinischen Studien keine Hinweise finden. Die geringe Bioverfügbarkeit bleibt allerdings ein Problem. Nur zehn Prozent des in dem Trockenpulver enthaltenen Insulins geht tatsächlich ins Blut. Ein Drittel bleibt im Inhalator zurück. Der Rest wird im Rachenraum und in den Atemwegen abgebaut. Wenn die gleiche therapeutische Wirkung erzielt werden soll, muß das inhalierbare Insulin also höher dosiert werden als das injizierte Insulin. Ob sich die zusätzlichen Kosten durch eine niedrigere Komplikationsrate beim Inhalieren rechtfertigen lassen, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen.

          Typische Nebenwirkungen: Husten und Hustenreiz

          Zu den typischen Nebenwirkungen des inhalierbaren Insulins zählen Husten und Hustenreiz, die nach der Anwendung aber schnell wieder verschwinden, sowie Komplikationen, die mit jeder Insulinbehandlung verbunden sind, etwa eine Unterzuckerung. Diabetiker, die rauchen oder das Rauchen in den letzten sechs Monaten aufgegeben haben, sollen nicht mit dem inhalierbaren Insulin behandelt werden. Sie nehmen mehr Insulin über die Lunge ins Blut auf. Auch Patienten mit schwerem Asthma, einer chronisch obstruktiven Bronchitis oder anderen schweren Lungenkrankheiten sollen es nicht erhalten. Vorübergehende Atemwegsinfektionen sind allerdings kein Grund, auf diese neue Darreichungsform zu verzichten.

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