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Infektionskrankheiten : Verderben im Doppelpack

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Wo Aids grassiert, breitet sich auch Malaria schnell aus Bild: AP

Die Infektionskrankheiten Aids und Malaria begünstigen einander auf fatale Weise. Studien zufolge breitet sich die Malaria in Gebieten, in denen Aids grassiert, viel schneller aus als in Gegenden, in denen das Immunschwächevirus seltener vorkommt.

          Aids und Malaria begünstigen einander auf fatale Weise. Studien zufolge breitet sich die Malaria in Gebieten, in denen Aids grassiert, viel schneller aus als in Gegenden, in denen das Immunschwächevirus HIV nicht so häufig vorkommt. Aids begünstigt die Malaria-Infektion vermutlich deshalb, weil der HIV-Erreger das immunologische Abwehrsystem schwächt.

          Andererseits bietet die Malaria-Erkrankung vor allem während eines Fieberschubs dem Aidserreger besonders gute Bedingungen für die Vermehrung. Die Zahl der Viren im Blut eines HIV-Infizierten steigt dann mitunter auf das Zehnfache. Entsprechend leicht kann HIV durch Sexualkontakt weitergegeben werden.

          Konsequenzen der Koexistenz von Aids und Malaria

          Um die Konsequenzen der Koexistenz von Aids und Malaria für die Bevölkerung besser abschätzen zu können, hat eine amerikanische Forschergruppe um James Kublin vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle (Washington) Modellrechnungen angestellt und das Ergebnis mit epidemiologischen Daten aus Kisumu in Kenia verglichen. Dort befindet sich ein Hochrisikogebiet bezüglich der Verbreitung von Aids und Malaria.

          Aus dem in der Zeitschrift „Science“ (Bd. 314, S. 1.603) veröffentlichten Bericht geht hervor, dass Aids die Häufigkeit der Malaria besonders stark begünstigt, wenn die Malaria in einem Gebiet mit hoher Aidsdurchseuchung zunächst noch vergleichsweise selten ist. Sind beide Infektionskrankheiten weit verbreitet, ist der Verstärkereffekt von Aids auf die Malaria viel geringer.

          Geographische Ausbreitung schreitet rasant voran

          Den Berechnungen der Forscher zufolge gehen seit 1980 mehr als 8.000 zusätzliche HIV-Infektionen und fast eine Million zusätzliche Malaria-Fälle in Kenia auf die begünstigende Wirkung derartiger Doppelinfektionen zurück. Auch die geographische Ausbreitung der Malaria scheint durch HIV-Infektionen rasant voranzuschreiten. Die Ausbreitung von Aids ließe sich nach Ansicht der Forscher vermutlich erheblich eindämmen, wenn HIV-Infizierte während eines Malaria-Fieberschubes sexuell enthaltsam wären. Doch diese Empfehlung dürfte wenig praktikabel sein.

          Einen größeren Erfolg versprechen sich die Forscher von Strategien, die darauf zielen, gleich beide Infektionen einzudämmen. So lässt sich durch die Kombination einer antiviralen Therapie gegen HIV mit einer Malariaprophylaxe sowohl mit einem Medikament wie Cotrimaxazol als auch mit insektizidimprägnierten Moskitonetzen das Risiko einer Malariainfektion bei HIV-Infizierten um 95 Prozent reduzieren. Dringend notwendig ist nicht zuletzt die Aufklärung der Bevölkerung über die einander verstärkende Wirkung der beiden Krankheitserreger.

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