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Infektionen im Krankenhaus : Bedingt abwehrbereit

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Staphylococcus-aureus-Bakterien im Kampf mit weißen Blutkörperchen. Bild: Rocky Mountain Laboratories, National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

ImStaphylococcus aureus verursacht weltweit die meisten Infektionen in Krankenhäusern. Dabei steigt der Anteil der Keime, die gegen Antibiotika resistent sind. Die Patienten kann man schützen - wenn die Kliniken mitspielen.

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          Im amerikanischen Bundesstaat Virginia fing es mit der Panik an. Als im vergangenen Herbst die Ursache für den Tod des 17-jährigen Highschool-Studenten Ashton Bonds aus Bedford County bekannt wurde, kamen plötzlich von überall her Alarmrufe. 19 000 Amerikaner würden jährlich dahingerafft vom neuen Killerkeim, verkündeten die Centers for Disease Control. Daraufhin wurden Schulen geschlossen, Sportmannschaften trauten sich nicht mehr in die Kabine, der Gouverneur rief schließlich Notfallgesetze aus. Und die Nation hatte einen neuen Feind: Staphylococcus aureus.

          Nun ist das Problem nicht neu. Staphylokokken sind allgegenwärtig. Solange sie auf der Hautoberfläche bleiben, sind sie harmlos. Gelangen sie aber in den Körper, etwa durch einen Schlauch bei künstlicher Beatmung oder während einer Operation, können sie Wundinfektionen, Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen verursachen. Auch das lässt sich normalerweise mit Antibiotika bekämpfen. Doch seit einiger Zeit beobachten Epidemiologen tatsächlich, dass Staphylococcus aureus immer mehr Resistenzen bildet. Sie staunen vor allem darüber, wie schnell sich die Mikroorganismen ihrer Umgebung anpassen. "Es gibt hier eine besondere Dynamik", sagt Wolfgang Witte, Leiter des nationalen Referenzzentrums für Staphylokokken am Robert-Koch-Institut: "Das ist miterlebte Evolution."

          Steigende Resistenz

          Zwar entwickelten sich schon in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erste Aureus-Bakterien, die gegen das gerade erst auf den Markt gelangte Penicillin resistent waren. Und es vergingen auch nur sechs Monate, nachdem 1960 das Antibiotikum Methicillin auf den Markt gekommen war, bis Forscher in einer südenglischen Klinik Staphylokokken entdeckten, denen auch dieser Wirkstoff nichts mehr anhaben konnte. Methicillin-resistente Stämme (MRSA) sind eigentlich kein klinisches Problem mehr, denn Methicillin ist längst nicht mehr in Gebrauch. Aber die Keime sind inzwischen auch gegen viele andere Antibiotika gewappnet. Dass das ursprüngliche Kürzel "MR" heute also meist mit "multiresistent" gleichgesetzt wird, mag nicht ganz korrekt sein, trifft jedoch den Kern des Problems der Mikrobenevolution.

          Allein in deutschen Kliniken infizieren sich etwa 75 000 Menschen jährlich mit Staphylococcus aureus, schätzt Petra Gastmeier von der Berliner Charité, die das nationale Referenzzentrum zur Überwachung von Krankenhausinfektionen leitet. Daran sind MRSA-Stämme mit etwa 16 000 Fällen beteiligt; rund 2000-mal führt das zu Blutvergiftungen. Durch die resistenten Keime sterben jährlich bis zu 500 Patienten, sagt die Berliner Fachärztin für Hygiene. Ihr Kollege Alexander Friedrich vom Universitätsklinikum Münster spricht sogar von bis zu 1500 Todesfällen.

          Meldepflicht gefordert

          Beides sind Schätzungen, denn eine Meldepflicht für MRSA gibt es in Deutschland bislang nicht. Lediglich ein gehäuftes Auftreten von Infektionen, die möglicherweise auf einen gemeinsamen Infektionsherd deuten, müssen die Kliniken angeben. Diese Regelung ist vielen Experten zu lasch: "Wir brauchen eine Meldepflicht", sagt Axel Kramer vom Universitätsklinikum Greifswald. "Man muss doch wissen, was los ist." Dann könne man nämlich endlich jene Krankenhäuser identifizieren, die es nicht so genau nehmen mit Hygiene und Patientenschutz. Handlungsbedarf sieht auch das Bundesgesundheitsministerium. "Eine Meldepflicht auch für Einzelfälle" fordert der Parlamentarische Staatssekretär Rolf Schwanitz. Der Entwurf für eine entsprechende Verordnung soll noch in diesem Jahr vorliegen.

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