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Zum Fall Kekulé : Wem Prestige wichtiger ist als Forschung und Lehre

Der Virologe Alexander Kekulé Bild: Picture-Alliance

Podcast, Talkshows und ein Buch – keine Zeit für ernsthafte Studien? Die Universität Halle hebt den Virologen Alexander Kekulé aus seiner Position.

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          Für alle, die ihn nur aus Funk und Fernsehen kennen, mag die aktuelle Personalie zu Alexander Kekulé eine echte Überraschung sein. Wenn nun der Rektor der Universität Halle dem „deutschlandweit bekannten Virologen“ eine „vorläufige Dienstenthebung“ ausspricht, wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ als eines der erste Medien berichtete, ist das aber für alle, die kritisch hinter die Kulissen blickten, fast ein Weihnachtswunder. Eine Nachricht, die schon vor Monaten, wenn nicht Jahren zu erwarten gewesen wäre, kennt man die Details.

          Denn es handelt sich keinesfalls um ein „politisches Verfahren“, wie es der Geschasste gegenüber Medien andeutet und sich quasi zum Opfer der Umstände – gar einer Verschwörung – erklärt, als würden irgendwelche Obrigkeiten seine Stimme fürchten. Was für eine Hybris, denn er dürfte sich ja trotzdem wie gehabt in Talkshows äußern, nur eben nicht mehr als Institutsleiter oder Professor der Universität Halle. Ein Etikett, mit dem sich Kekulé gern schmückte wie einst mit einem klangvollen, aber falschen „von“ im Namen, ohne sich allerdings groß für die Forschung oder seine Mitarbeiter zu engagieren.

          Zur Corona-Pandemie schrieb er ein Buch; von ernsthaften Studien ließ er offenbar lieber die Finger, schien vor langer Zeit das Interesse daran verloren zu haben, schaut man sich seine sehr kurze Publikationsliste an. Soll die Virologie in Halle eine Zukunft haben, müssen Pipetten endlich wichtiger sein als Prestige, also wieder Wissenschaft statt Show und Geltungssucht.

          Sonja Kastilan
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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