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Impfstoffe gegen Covid-19 : Nicht gleich alles auf eine Karte setzen

Schnell, in großen Mengen für alle verfügbar: Das Gebot gilt auch für die Coronavirus-Vakzine der Tübinger Firma CureVac. Bild: dpa

Impfstoffe, die vor Covid-19 schützen, sind dringend gesucht. Ein Gespräch mit Richard Hatchett, dem Generaldirektor der Organisation CEPI, die jetzt solche Forschungsprojekte fördert. Ganz nach dem Motto: „Speed, scale, access.“

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          Herr Hatchett, von wo aus arbeiten Sie im Moment?
          Die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“, kurz CEPI, hat ihren Sitz in Oslo, Sie sind Generaldirektor der Non-Profit-Organisation – und wir haben uns eben in eine Konferenzschaltung eingewählt, in Ihrem Fall aus Norwegen?

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Normalerweise arbeite ich in unserem Büro in London, einen gewissen Teil der Zeit auch in Oslo. Jetzt aber bin ich zu Hause, wie die meisten, und in meinem Fall ist das Surrey.

          Als Arzt haben Sie Erfahrung in der Notaufnahme gesammelt. Würden Sie nun gern aktiv helfen, oder empfinden Sie Ihre Position als nützlicher?

          Das stimmt, ich habe in der Notaufnahme gearbeitet und bin als Onkologe ausgebildet. Aber seit 2005 habe ich nicht mehr praktiziert, würde jetzt also vermutlich eher stören, als dass ich eine echte Hilfe wäre.

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          Die ganze Welt wünscht sich schnell Impfstoffe gegen Covid-19, und CEPI fördert solche Impfvorhaben generell. Werden deshalb alle anderen Entwicklungen gestoppt oder unter Umständen sogar umfunktioniert?

          Bevor Covid-19 ausbrach, befanden sich etwa zwanzig von uns geförderte Vakzine in der Entwicklung. Davon richten sich fünf gegen Mers, eine Krankheit, die ebenfalls von Coronaviren verursacht wird, und drei unserer Partner arbeiten nun an einem Impfstoff für Covid-19. Sie profitieren von ihrer Erfahrung, die sie bereits im Umgang mit Coronaviren gewinnen konnten. Darunter die Universität von Queensland und das Unternehmen CureVac in Tübingen, die an unserem „Rapid Response“-Programm beteiligt sind. Wir sind sehr interessiert an Plattform-Technologien, die im Falle eines Ausbruchs von unbekannten Erregern, einer Krankheit X, eine schnelle Reaktion ermöglichen können. Nun ist Covid-19 dieses X, also haben wir unsere Partner gebeten, ihre Anstrengungen darauf auszurichten, ohne ihre anderen Vorhaben aufzugeben.

          Gibt es noch andere Einschränkungen?

          All unsere Forschungsprojekte sind im Moment auf eine Weise herausgefordert, wie es Wissenschaftler gerade überall auf der Welt erleben. So mussten wir zum Beispiel die klinische Studie für einen Nipah-Impfstoff an der University von Cincinnati anhalten, aufgrund des Lockdowns in Ohio. Das heißt also, die Programme sind nicht aufgegeben, aktuell liegt der Fokus jedoch auf Covid-19.

          Es gibt zig Ansätze. Welche und wie viele wird CEPI fördern?

          Wir schätzen, dass weltweit etwa hundert unterschiedliche Ansätze verfolgt werden, kennen aber nicht alle Details. Allerdings wissen wir über knapp die Hälfte recht gut Bescheid, denn nachdem wir im Februar unsere Förderung ausgeschrieben hatten, wurden 48 Vorschläge eingereicht und von uns genauer überprüft. Vier Projekte hatten wir mit unseren Partnern zuvor initiiert, mittlerweile sind es acht, und am Ende werden es wohl zehn Projekte sein, die wir finanziell unterstützen. Allerdings fördern wir nicht nur die Entwicklung von Impfstoffen, sondern außerdem Tiermodelle, Verfahren und Analysemethoden, damit die Wirkstoffe getestet werden können.

          Das käme anderen ebenfalls zugute.

          Genau, es wären generell einsetzbare Werkzeuge. Uns geht es nicht in erster Linie darum, das Rennen mit einem CEPI-Impfstoff zu gewinnen, sondern dass überhaupt Impfstoffe entwickelt und allgemein verfügbar werden. Wir können ja nicht alle selbst fördern, und wenn von unseren Projekten am Ende drei Vakzine außerhalb von klinischen Studien zum Einsatz kommen, wäre das der erhoffte Erfolg in diesem Zeitraum. Entscheidend für unsere Auswahl waren drei Kriterien: Schnelligkeit in der Entwicklung, Produktionsmenge und globale Verfügbarkeit. Daraus ergibt sich eine Art Mantra: „Speed, scale, access.“

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