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Impfstoff : Vergoldete Bedenken

  • -Aktualisiert am

Drei auf einen Streich: Die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln Bild: ddp

Die kombinierte Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln wurde von Wissenschaftlern als Ursache für Autismus bestätigt. Jetzt hat sich herausgestellt, dass die Aussagen der Anti-Impfkampagne für hohe Summen erkauft waren.

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          Der Versuch, die kombinierte Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln als Ursache für Autismus zu brandmarken, basierte nicht nur auf dem Fehlverhalten von Wissenschaftlern. Vielmehr diente sie auch der persönlichen Bereicherung der beteiligten Protagonisten, wie Nachforschungen der englischen Zeitung „Sunday Times“ ergeben haben. Demnach erhielten die Ärzte und Wissenschaftler, die sich Ende der neunziger Jahre gegen den Dreifachimpfstoff aussprachen, von einer Anwaltskanzlei insgesamt fast dreieinhalb Millionen britische Pfund für Beratertätigkeiten, Gutachten oder Forschungsaufträge.

          Andrew Wakefield, die Galionsfigur der Antiimpfkampagne, soll sich mit rund einer halben Million Pfund bereichert haben. Die Anwaltskanzlei zahlte die Summe bei der Suche nach wissenschaftlichen Belegen, die dazu vorgesehen waren, eine an die Impfstoffhersteller gerichtete Schadenersatzklage in Milliardenhöhe zu untermauern. Kläger sollten die Eltern der vermeintlich geschädigten Kinder sein.

          Dreifachimpfung zu Unrecht verschrien

          Die Offenlegung der finanziellen Verstrickungen durch die „Sunday Times“ markiert den vorläufig letzten Höhepunkt in einem einzigartigen Betrugsfall, der das Image der gegen Masern, Mumps und Röteln gerichteten Schutzimpfung zu Unrecht beschädigte und Zehntausende von Eltern zu Impfverweigerern machte. Allein in Großbritannien, wo der Skandal seinen Anfang nahm, sank die Impfrate nach dem Bekanntwerden der angeblichen Gefahr um dreizehn Prozent. Dadurch reduzierte sich die so genannte Herdimmunität. Das ist der Schutz, den geimpfte Personen, die den Erreger nicht mehr weitergeben, denen gewähren, die nicht geimpft sind. Im vergangenen Jahr starb in Großbritannien erstmals wieder ein Kind an Masern. Inzwischen steigen die Impfraten überall an.

          Seinen ersten Höhepunkt hatte der Skandal vor zwei Jahren erreicht. Damals meldete die „Sunday Times“, dass die Veröffentlichung in der angesehenen Fachzeitschrift „The Lancet“, die den Beginn der öffentlichen Kampagne markierte, unrechtmäßig zustande gekommen war. Fünf der acht Kinder, deren Erkrankungen den Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und dem Autismus belegen sollten, waren gleichzeitig Klienten der Anwaltskanzlei, die eine Schadenersatzklage plante. Das war eine klare Vermischung von Interessen. Das Schicksal dieser Kinder konnte kein unabhängiger wissenschaftlicher Beleg für die krankmachende Wirkung der Impfung sein. Die Klinik, für die Wakefield arbeitete, hatte 55.000 Pfund erhalten.

          Elf von dreizehn Autoren distanzierten sich

          Nach der Enthüllung distanzierten sich elf der dreizehn Autoren von der Veröffentlichung. Fünf hatten, wie die „Sunday Times“ jetzt bekanntmachte, zudem persönliche Zahlungen von der Anwaltskanzlei erhalten. Auch einer der Gutachter, der seinerzeit die Veröffentlichung für „The Lancet“ prüfte, stand mit 40.000 Pfund auf der Liste der Begünstigten. Wakefield hatte seine erste Zahlung bereits zwei Jahre vor dem Erscheinen des strittigen Beitrags erhalten, was seine gesamten wissenschaftlichen Ergebnisse jetzt wie eine Auftragsarbeit erscheinen lässt. Ihm drohen auch berufsrechtliche Konsequenzen. Die britische Ärztekammer bereitet eine Anklage gegen ihn vor.

          Inzwischen arbeitet Wakefield für ein Unternehmen in Austin (Texas), in dem weitere Begünstigte der Anwaltskanzlei beschäftigt sind. Die Schutzimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln ist nicht nur durch die Veröffentlichung dieser Unaufrichtigkeiten rehabilitiert worden, sondern auch durch viele klinische Studien. Keine konnte einen glaubwürdigen Hinweis für eine mögliche Gefahr liefern.

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