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ACE-Hemmer : Blutdrucksenker mit Zusatznutzen

  • -Aktualisiert am

Gesundheitsrisiko Bluthochdruck Bild: dpa

Gute Nachricht für Herzpatienten: ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten schützen den Taktgeber besser als andere blutdrucksenkende Mittel.

          2 Min.

          In nicht allzu ferner Vergangenheit wurde hoher Blutdruck, eine Hypertonie, noch mit Aderlässen und teils brachialen chirurgischen Methoden angegangen - mehrheitlich erfolglos. Inzwischen gibt es ein großes Spektrum an Medikamenten, mit denen man die Hochdruckkrankheit gut und nebenwirkungsarm angehen kann. Im Allgemeinen gilt dabei: Je weiter der Gefäßdruck in Richtung Norm gesenkt werden kann, desto seltener kommt es zu Komplikationen wie Schlaganfällen, Herzinfarkten und einer Herzschwäche.

          Einige Blutdrucksenker scheinen die hochdruckbedingten Organschäden allerdings besser abwenden zu können als andere. Laut einer Reihe von Beobachtungen besitzen die ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten - Arzneimittel, die auf unterschiedlichen Wegen das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin unterdrücken - einen solchen Zusatznutzen. Demnach sind sie besser als andere Mittel in der Lage, das Herz vor den destruktiven Folgen zu hoher Blutdruckwerte zu bewahren.

          Hochdruck verursacht Kabelschäden am Herzen

          In die gleiche Richtung weisen nun auch die Ergebnisse einer neuen Untersuchung, der die Daten einer großen amerikanischen Studie - „Allhat“ - zugrunde liegen. Die darin einbezogenen Hochdruckkranken, rund 21.000 durchschnittlich 66 Jahre alte Männer und Frauen, hatten nach den Regeln des Zufalls eines von drei gängigen Antihypertensiva erhalten: einen ACE-Hemmer (Lisinopril), ein Diuretikum (Chlortalidon) oder einen Kalziumantagonisten (Amlodipin).

          Im Verlauf von fünf Jahren wurden dann bei mehr als 1100 Personen erstmals Störungen des Reizleitungssystems am Herzen diagnostiziert. Solche kardialen „Kabelschäden“ bewirken, dass sich die elektrische Erregung in der betroffenen Herzregion nicht mehr, nur stockend oder unvollständig ausbreitet und sich die dort befindlichen Muskelfasern daher nicht mehr koordiniert zusammenziehen. In Abhängigkeit vom Gesundheitszustand des Herzens können Defekte dieser Art entweder unbemerkt bleiben oder zu einer spürbaren Schwächung des Kreislauforgans führen.

          ACE-Hemmer überzeugt  

          Wie die Studienautoren um den Kardiologen Gregory Marcus von der University of California in San Francisco und in der Zeitschrift „Jama Internal Medicine“ berichten, traten bei den mit Lisinopril behandelten Patienten deutlich seltener Störungen des kardialen Reizleitungssystems auf als bei den anderen Probanden. Der ACE-Hemmer verringerte das Risiko für solche Defekte im Mittel um rund 20 Prozent gegenüber dem Diuretikum, während der Kalziumantagonist eine mittlere Stellung einnahm. Weshalb Lisinopril das Stromnetz des Herzens nachhaltiger vor zerstörerischen Kräften schützt, geht aus der Studie nicht hervor. An einer stärkeren antihypertensiven Wirkung konnte es zumindest nicht liegen. Denn die mit dem ACE-Hemmer behandelten Personen wiesen nicht etwa tiefere, sondern eher höhere Blutdruckwerte auf als jene, die eines der beiden anderen Arzneimittel eingenommen hatten.

          Wie Rainer Düsing vom Hypertoniezentrum in Bonn sagt, ist nach wie vor unklar, worauf die günstigen Einflüsse von ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten auf das Herz genau zurückgehen. „Es gibt andererseits wenig Zweifel daran, dass gerade Patienten mit einer Herzkrankheit, und zwar vor allem mit einer Herzschwäche oder auch einem Herzinfarkt, ganz besonders von solchen Antihypertensiva profitieren.“ Möglicherweise kommen diese Mittel den Betroffenen unter anderem deshalb so zugute, weil sie die arteriellen Blutgefäße erweitern, ohne dabei den Sympathikus - den das Herz antreibenden Ast des autonomen Nervensystems - zu stimulieren, was bei vielen anderen Blutdrucksenkern der Fall sei. Wie der Hypertonie-Experte hinzufügt, sind die Resultate der neuen Untersuchung für den medizinischen Alltag ausgesprochen relevant. Darüber hinaus passten sie zu der Erkenntnis, dass sich ACE-Hemmer und Angiotensin-Antagonisten in besonderem Maße zur Behandlung von Patienten eignen, die außer an hohem Blutdruck an Erkrankungen des Herzens leiden.

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