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Aids, Corona & Co. : Eine Pause von der Front

Sie studierte Medizin, um Menschen zu helfen, steckte sich noch während der Ausbildung mit Tuberkulose an: Zolelwa Sifumba will die tagtäglichen Risiken für das medizinische Personal allen vor Augen führen. Bild: Thuli Dlamini

Was die Corona-Pandemie mit Krankheiten wie Aids und Tuberkulose zu tun hat, und welche Probleme praktisch überall in den Krankenhäusern herrschen, erklärt die südafrikanische Ärztin Zolelwa Sifumba im Interview zum Welt-Aids-Tag.

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          Gerade mal dreißig Jahre alt ist Zolelwa Sifumba – eine junge Ärztin, die bereits mehr als einmal selbst mit dem Tod ringen musste, nachdem sie schlicht ihren Job gemacht hat. In den Anfängen ihres Studiums an der Universität in Kapstadt steckte sie sich im Dienst mit multiresistenten Tuberkulose-Bazillen an; die Behandlung dauerte anderthalb Jahre, begleitet von sehr heftigen Nebenwirkungen. Sifumba nimmt seither jede Gelegenheit wahr, auf diese Infektionskrankheit aufmerksam zu machen, vor der man Anfänger nicht ausreichend warnen würde, auch spricht sie psychische Probleme des überlasteten Krankenhauspersonals an, hält Vorträge, schreibt Artikel, nutzt soziale Medien, macht sich auch als Botschafterin für den Globalen Fonds „zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria“ stark.

          Sonja Kastilan
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dieses Jahr sollte das letzte ihrer Ausbildung sein, nach einer überlangen Schicht passierte jedoch ein Autounfall, und jetzt leidet die ganze Welt unter der Corona-Pandemie, die Kranke davon abhält, sich untersuchen zu lassen oder lebenswichtige Medikamente abzuholen. Aus Angst vor Covid-19, mit dessen Erreger sich fast 800.000 Südafrikaner bisher ansteckten, laut den bestätigten Fällen. Dabei stellen Aids oder Tuberkulose nach wie vor eine Bedrohung dar, nicht nur in Südafrika. Von den rund 38 Millionen HIV-Infizierten global (um 7,7 Millionen sind es in Südafrika) erhält ein Drittel keine adäquate Behandlung. Zurzeit arbeitet Sifumba in der Provinz KwaZulu-Natal, leistet dort im Osten ihres Heimatlandes den noch erforderlichen „community service“, der junge Ärzte mit den Zuständen im ländlichen Raum fern der akademischen Welt vertraut machen soll.

          Frau Sifumba, in Ihren Texten zeigen Sie unter anderem, wie sich Covid-19 auf andere Krankheiten auswirkt. Und dass man einen globalen Plan brauche, kein Land könne es allein schaffen. Was bedeutet es, wenn bald die ersten Impfstoffe an den Start gehen?

          Ein Impfstoff wird sicher dazu beitragen können, dass dann wieder „normalere Zustände“ herrschen. Wobei es der armen Bevölkerung sowieso schwerfällt, sich gut um ihre Gesundheit zu kümmern. Während des Lockdowns wurde das aber noch schwerer, hinzu kam die Angst, sich anzustecken. Diese hält viele davon ab, ins Krankenhaus zu gehen, um sich behandeln zu lassen, obwohl es nötig wäre. Andere haben keine Arbeit mehr, somit fehlt ihnen das Geld für die Anreise. Ich sah Aids-Kranke, die viel zu spät kamen und deshalb starben. Mit einem Impfstoff ließe sich die Furcht eindämmen, also werden uns die neuen Vakzine nicht nur bei der Bekämpfung von Covid-19 helfen, sondern auch bei anderen Krankheiten.

          Covid-19 ist vor allem eine Erkrankung der Atemwege. Sie haben eine schwere Tuberkulose überlebt, wie gehen Sie mit dieser neuen Gefahr um?

          Nach der schrecklichen Erfahrung mit einer Lungenkrankheit hatte ich natürlich furchtbar Angst, mich zu infizieren und an Covid-19 zu erkranken. Zumal es uns sowieso an „PPE“, also persönlicher Schutzausrüstung mangelt. Und in diesem Fall gab es ja noch nicht einmal eine Therapie, das machte die Situation beängstigender; ich sah Patienten innerhalb von wenigen Tagen sterben. Dann wurde ich tatsächlich krank, entwickelte alle Symptome, die als typisch gelten, wenn auch ohne schweren Verlauf, nahm deshalb eine Auszeit, hielt mich vom Krankenhaus und von meiner Familie fern. Im Moment haben so viele Leute so vieles über Covid-19 zu sagen, ob im Fernsehen oder in anderen Medien, überall ist gar zu erfahren, was man essen soll, was nicht. Tuberkulose war härter, aber es fällt schwer, zu sagen, was schlimmer ist: dass keine Behandlung existiert oder eine mit starken Nebenwirkungen, denn ich litt sehr unter entsprechenden Langzeitfolgen wie Hörverlust; andererseits wusste ich, dass ich danach weitermachen konnte. Jetzt fiel ich nur eine gewisse Zeit aus – meine Kollegen trugen die Bürde, mussten meinen Job miterledigen, das ist für mich psychisch durchaus belastend. Aber die Pandemie trifft uns alle, in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Südafrika, wo Covid-19 jeweils andere Probleme ans Licht brachte.

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