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HPV-Impfung : Botschafterinnen in Sachen Krebs

Zwei Injektionen sollen Yustina, Irene und Aisha künftig vor humanen Papillomaviren (HPV) schützen. Bild: 2014/Gavi/Karel Prinsloo

Afrika kennt noch andere Probleme als Ebola. Gegen Viren, die Krebs auslösen, gibt es immerhin eine Impfung. Tansania führt sie jetzt ein.

          7 Min.

          Keines der Kinder trägt Schuluniform. Es ist Sonntag, und so staksen Irene Damas und Yustina Alfonsi ausnahmsweise auf hohen Riemchensandalen zum Sommerkleid ins Lehrerzimmer. Sie sind elf und zwölf Jahre alt, die zehnjährige Aisha Ramadhami folgt ihnen in Flipflops. Während im Klassenraum nebenan Krankenschwestern mit Spritzen hantieren, sprechen die drei über ihren Alltag in Kindi. Das Dorf liegt in der Nähe der regionalen Hauptstadt Moshi im Norden von Tansania. Touristen besuchen die Gegend, um von hier aus den Kilimandscharo in Angriff zu nehmen, Afrikas gewaltiges Bergmassiv, das sich allerdings hinter Dunst und Wolken versteckt, als wir vormittags ankommen.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Fußmarsch von vierzig bis fünfzig Minuten ist für die drei Mädchen der normale Schulweg. Sie antworten anfangs schüchtern auf die Fragen, die ihnen die Kinderärztin Frida W. Mghamba aus dem Englischen in Suaheli übersetzt. Eine möchte Lehrerin werden, bei den beiden anderen steht der Arztberuf hoch im Kurs: Sie wollen Menschen behandeln und vor Krankheiten schützen, wie sie es eben erlebt haben, als man ihnen das neue Kombinationspräparat gegen Masern und Röteln injizierte. Nein, sagen sie, es habe nicht weh getan, keiner liefen die Tränen.

          Pilotprojekt in Tansania

          Krank waren alle drei schon, hatten Windpocken, Erkältungen und Husten. Die Mädchen wissen, was eine Impfung bedeutet, auch wenn es ihnen jetzt, Mitte Oktober, schwerfällt, sich zu erinnern, weshalb genau sie Anfang Mai eine Injektion mit einem Impfstoff gegen humane Papillomaviren (HPV) bekommen haben. Irene, Yustina und Aisha nehmen mit Erlaubnis der Eltern an einem Demonstrationsprojekt teil, für das die Kilimandscharo-Region ausgewählt wurde. Dort ist ein Großteil der Mädchen im fraglichen Alter tatsächlich in den Schulen zu finden, wie es das Gesetz vorschreibt. Auch ist die Geographie repräsentativ für das ganze Land, neben städtischen gibt es ländliche Distrikte. Hier will das tansanische Gesundheitsministerium Erfahrungen sammeln, bevor die HPV-Impfung landesweit angeboten wird. In zwei Jahren, so lautet der Plan.

          Tansania: Die einzige Krebsklinik hat ihren Sitz in Daressalam. 
Bilderstrecke
          Tansania: Die einzige Krebsklinik hat ihren Sitz in Daressalam. :

          Tansania ist eines von zwölf afrikanischen Ländern, die mit Förderung der Impfallianz Gavi jetzt HPV-Pilotprojekte realisieren. In Ruanda ist diese Impfung bereits landesweit eingeführt, Uganda soll 2015 folgen. Gavi finanziert Impfprogramme in Entwicklungsländern, verhandelt dafür mit Herstellern über niedrigere Preise und arbeitet mit Organisationen wie der WHO, Unicef, dem Lions Club und der KfW zusammen. Wichtige Geldgeber sind Regierungen, und dabei spielt Deutschland keine unerhebliche Rolle: Seit 2006 wird Gavi unterstützt - und bis 2020 sollen weitere 500 Millionen Euro fließen. Im Januar 2015 findet in Berlin die Geberkonferenz unter Schirmherrschaft von Angela Merkel statt, auf der die Finanzierung bis 2020 gesichert werden soll. Mit zusätzlichen 7,5 Milliarden Dollar, um weltweit 300 Millionen Kinder zu impfen und so bis zu sechs Millionen Leben zu retten.

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