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Hormone und Krebs : Hirntumore sind häufiger unter der „Pille“

  • -Aktualisiert am

Anti-Baby-Pillen: Wie hängen Hormone und Krebs zusammen? Bild: dpa

Die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel erhöht offenbar das Risiko, an einem seltenen Hirntumor zu erkranken. Diese Daten liefert zumindest eine Studie, für die dänische Gesundheitsregister durchforstet wurden.

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          Eine langjährige Einnahme hormoneller Kontrazeptiva erhöht offenbar das Risiko, an einem seltenen Hirntumor zu erkranken. Darauf deutet zumindest ein Abgleich mehrerer Register aus Dänemark hin. Mit den Daten konnte analysiert werden, welche Krebspatienten wie lange die Pille zur Verhütung eingenommen hatten. Dabei zeigte sich, dass das Risiko, ein Gliom zu entwickeln, anderthalbfach höher war für Frauen, die je in ihrem Leben mittels Hormonen verhütet hatten.

          Hatten sie länger als fünf Jahre die Pille genommen, war das Risiko knapp verdoppelt. Wurde allein mit Gestagenen verhütet, so erhöhte dies das Risiko sogar auf mehr als das Vierfache. David Gaist und seine Kollegen von der Neurologischen Universitätsklinik in Odense haben diese Ergebnisse im „British Journal of Clinical Pharmacology“ veröffentlicht (doi: 10.1111/bcp.12535).

          Genaue Register

          Die Dänen verfügen dank penibel geführter Gesundheitsregister über die Möglichkeit, bei Patienten nachzuverfolgen, was genau ihnen wie lange in ihrem Leben verschrieben wurde. Im vorliegenden Fall wurde die Vorgeschichte von 317 weiblichen Patienten aus dem dänischen Krebsregister analysiert, die zwischen den Jahren 2000 und 2009 erstmals an dem in Nordeuropa häufigsten Hirntumor, einem Gliom, erkrankt waren. Die Frauen waren im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Hierfür ermittelten die Forscher, wer von ihnen wie lange welche Hormone zur Verhütung verschrieben bekommen hatte. Auf diese Weise ließ sich aufgrund der Produktnamen differenzieren, welche Hormone die Verhütungsmittel enthielten, ob sie nun als Pille, Pflaster oder Hormonspirale in der Gebärmutter verschrieben worden waren. So gibt es Verhütungsmittel, die allein Östrogene, allein Gestagene oder solche, die Mischungen von beiden Sexualhormonen enthalten.

          Je länger Hormone verwendet wurden, desto höher war das Risiko, ein Gliom zu entwickeln. Eine solche Dosis-Wirkungs-Beziehung ist ein Indikator dafür, dass die Hormoneinnahme mehr als nur zufällig mit dem Auftreten des Krebses zusammenhängt. Auch die Tatsache, dass eine klare Risikoerhöhung mit ganz bestimmten Hormonen einherging - in diesem Fall mit Gestagenen -, deutet auf spezifische Wirkmechanismen hin. Solche Zusammenhänge sind bislang noch nicht von anderen Forschergruppen berichtet worden. Gliome können gutartig sein, aber auch als Glioblastoma multiforme extrem aggressiv wachsen. Insbesondere Progesteron, ein Gestagen, scheint das Wachstum bestimmter, bereits entarteter Zelllinien von Hirntumoren zu fördern.

          Die Autoren geben allerdings zu bedenken, dass das absolute Risiko wegen der Seltenheit dieser Tumoren gering ist. Zu erwarten sei, dass unter 100 000 Frauen im gebärfähigen Alter fünf an einem Gliom erkranken. Zudem gebe es Hinweise, dass Hormone bei anderen Tumortypen - ebenfalls nicht aufgeklärte - Schutzeffekte entfalteten. Die Gliomstudie sollte Anlass genug sein, den Zusammenhang zwischen Hormonen und der Entstehung von Tumoren genauer zu untersuchen.

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