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Hoffnung durch Antikörper : Ein Mittel gegen Alzheimer?

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine neue Studie zeigt den lang ersehnten Hoffnungsschimmer in der Alzheimer-Forschung. Das Präparat Aducanumab hat bei betroffenen Patienten den schicksalhaften Lauf der Krankheit zum Teil deutlich gebremst.

          2 Min.

          Der Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit hat bis jetzt nur bittere Früchte hervorgebracht. Keiner der bisherigen Behandlungsansätze war in der Lage, dem schleichenden Verfall der geistigen Fähigkeiten entgegenzutreten. Der Gedanke liegt daher nahe, dass die Forscher auf das falsche Pferd gesetzt haben könnten. Angriffsziel der meisten therapeutischen Strategien sind die krankheitstypischen Ablagerungen des Proteins Amyloid-beta im Gehirn. Diese stehen im dringenden Verdacht, den verhängnisvollen Untergang der Hirnzellen in die Wege zu leiten. Ob sie die Lawine des Vergessens tatsächlich ins Rollen bringen oder nur begleiten, steht nach wie vor zur Debatte. Schlagende Argumente lassen sich sowohl für als auch gegen die Amyloid-Hypothese ins Feld führen. Mit jedem gescheiterten Versuch aber, über ein Entfernen der Amyloid-Plaques im Gehirn dem Niedergang des Denkvermögens im Gehirn Einhalt zu gebieten, nahm der Kreis der Skeptiker in den vergangenen Jahren stetig zu.

          Angriff auf Protein-Ablagerungen 

          Nun könnte sich das Blatt allerdings wieder wenden. Denn mit einem hochspezifischen Antikörper gegen die Amyloid-Klumpen im Gehirn scheint es Wissenschaftlern aus der Schweiz und den Vereinigten Staaten gelungen zu sein, den schicksalhaften Lauf der gefürchteten Krankheit aufzuhalten. Anlass zur Hoffnung geben die Ergebnisse einer Therapiestudie, an der 165 ältere Männer und Frauen mit beginnender Alzheimer-Demenz beteiligt waren. Über einen Zeitraum von einem Jahr hatten 40 Probanden ein Scheinmedikament erhalten und die übrigen in Gruppen von rund 30 Personen jeweils unterschiedliche Mengen des Amyloid-Antikörpers Aducanumab, einer Koproduktion der amerikanischen Biotechfirma Biogen und dem Schweizer Unternehmen Neurimmune.

          Über den Ausgang ihrer Untersuchungen berichten die Studienautoren, unter ihnen Alfred Sandrock von Biogen und Roger Nitsch von der Abteilung für Regenerative Medizin der Universität Zürich und Mitgründer von Neurimmune, in der Zeitschrift „Nature“ (doi:10.1038/nature19323). In Abhängigkeit von der verwendeten Dosis und der Dauer der Behandlung, führte Aducanumab demnach zu einem mehr oder weniger vollständigen Abbau der Amyloid-Plaques im Gehirn. Parallel dazu verlangsamte sich der Niedergang der geistigen Fähigkeiten - und das umso nachhaltiger, je vollständiger die Amyloid-Plaques im Gehirn der Patienten verschwunden waren. Der günstige Effekt auf die Hirnleistung sei nicht nur in abstrakten kognitiven Tests sichtbar geworden, sagte Nitsch, sondern habe sich auch in einer besseren Bewältigung des Alltags geäußert.

          Bisher ohne Komplikationen

          Wie die Forscher zudem berichten, wurden keine bedrohlichen Komplikationen nach dem Verabreichen der Antikörper beobachtet. Zu Beginn klagten noch viele Patienten über Kopfschmerzen, doch sollen diese und andere Beschwerden nicht lange angehalten haben. Eine weitere Nebenwirkung der Behandlung ließ sich nur mit Hilfe von Kernspin-Aufnahmen im Magnetresonanztomographen nachweisen. Dabei handelte es sich um ungewöhnliche Flecken im Bereich der Amyloid-Plaques. Welche Ursachen diese sogenannten Bildgebungsanomalien haben, konnten die Wissenschaftler nicht klären. Sie gehen jedoch davon aus, dass sie mit der Amyloid-Entfernung in Zusammenhang stehen und daher ein Indiz für die Wirksamkeit der Antikörper-Therapie sein könnten.

          Bei der Arbeit handelt es sich zweifelsohne um den lange ersehnten Hoffnungsschimmer in der Branche. Die Ergebnisse werden als Indiz für die Therapierbarkeit von Alzheimer gesehen, sie sind aber noch immer kein eindeutiger Beleg für den therapeutischen Nutzen von Aducanumab. Um herauszufinden, ob und wie sehr der Antikörper Patienten mit beginnender Alzheimer-Demenz zugutekommt, bedarf es vielmehr Studien mit sehr viel größeren Probandenzahlen und längerer Laufzeit. Nitsch und die anderen Forscher haben daher vor, das Schicksal ihrer Versuchsteilnehmer längerfristig zu verfolgen. Darüber hinaus wollen sie Aducanumab in einer großen, bereits angelaufenen wissenschaftlichen Studie testen. Zu hoffen bleibt, dass sich ihre bisherigen Erkenntnisse bestätigen lassen. Denn es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein vielversprechendes Mittel gegen die Alzheimerdemenz als stumpfe Waffe entpuppt.

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