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Studie mit Risikokindern : Kein Zusammenhang zwischen Autismus und Impfung

  • -Aktualisiert am

In Deutschland brennt eine Debatte um Schutzimpfungen – auch um die vor Masern. Bild: dpa

Dass die Masernimpfung Autismus auslösen kann, ist ein seit Jahren kursierendes, falsches Gerücht. Forscher haben jetzt sogar gezeigt, dass die Impfung für Kinder, die ein erhöhtes Risiko für Autismus tragen, völlig ohne Folgen bleibt.

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          Dass die Masernimpfung Autismus auslösen kann, war die Aussage einer britischen Studie, die später als unwissenschaftlich erkannt und zurückgezogen wurde. Dennoch ließen sich nach der Publikation viele Eltern nicht mehr überzeugen, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. Sie verzichteten vorsichtshalber - und brachten ihre Kinder und andere so in Gefahr.

          Im Jahr 1998 hatte der britische Arzt Andrew Wakefield im Fachmagazin „Lancet“, einer anerkannten Wissenschaftszeitschrift, eine Studie veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen dem MMR-Kombinationsimpfstoff, der gegen Masern, Mumps und Röteln schützt, und späterem Autismus bei einer Gruppe von Kindern herstellte. Jahre danach wurde bekannt, dass Wakefield von Eltern autistischer Kinder, die einen Impfstoffhersteller verklagen wollten, Gelder erhalten hatte. Das Magazin „Lancet“ zog die Studie daraufhin zurück. Doch es war schon zu spät: Die Impfraten gegen Masern sanken, vor allem in Großbritannien.

          Verzicht aus Angst

          Gerade Eltern, die schon ein autistisches Kind haben, verzichten bis heute bei weiteren Kindern oft aus Angst auf die MMR-Impfung. Das belegte zuletzt vor zwei Jahren eine Befragung von 500 Eltern autistischer Kinder im Fachmagazin „Clinical Pediatrics“.

          Und das, obwohl seit 1998 viele Studien veröffentlicht wurden, die Wakefields These widerlegt haben. Eine Gruppe von amerikanischen Wissenschaftlern legt jetzt im Fachmagazin „Jama“ noch einmal nach. Die Forscher bezogen nicht nur eine besonders große Probandenzahl ein, sie konzentrierten sich auch auf Hochrisikopersonen: Kinder, bei deren älterem Bruder oder bei deren älterer Schwester schon eine Störung aus dem Autismus-Spektrum diagnostiziert worden war. In der Autismus-Forschung kommt solchen Kindern eine besondere Bedeutung zu, denn ihr Risiko, Autismus zu entwickeln, ist erhöht - bis zu zwanzigfach, haben frühere Studien ergeben.

          Kein Zusammenhang

          Die Forscher um Craig Newschaffer und Anjali Jain nun legten ihrer Untersuchung in „Jama“ die Daten von fast 96.000 Teilnehmern einer Langzeitstudie zugrunde (doi:10.1001/jama.2015.3077). Bedingung dafür, in die Studie einbezogen zu werden, war, dass ein Kind bis zum Alter von fünf Jahren beobachtet worden war und mindestens ein Geschwisterkind ebenfalls in das Langzeitprojekt eingebunden war. Unter diesen Kindern war bei knapp tausend Autismus diagnostiziert worden - teilweise klassischer Autismus, der im frühen Kindesalter mit schweren Entwicklungsverzögerungen einsetzt, etwa einem Ausbleiben der Sprachentwicklung, teilweise auch das Asperger-Syndrom, bei dem die Kinder oft fixiert auf spezielle Interessen und eingeschränkt in ihrer Interaktion mit anderen sind, aber denen dennoch vielfach normale Schullaufbahnen möglich sind. Insgesamt 1929 Teilnehmer der Langzeitstudie hatten ein Geschwisterkind, das die Diagnose Autismus erhalten hatte. Unter den Kindern mit gesunden Geschwistern waren 84 Prozent im Alter von zwei Jahren einmal mit dem MMR-Impfstoff geimpft worden, unter den jüngeren Geschwistern autistischer Kinder waren nur 73 Prozent in dem Alter vakziniert.

          Dass es für die Eltern eigentlich keinen Grund gibt, derart zurückhaltend zu sein, belegen die Wissenschaftler mit einer statistischen Analyse: „Eine MMR-Impfung erhalten zu haben, war nicht mit einem erhöhten Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen verbunden, unabhängig davon, ob ältere Geschwister eine autistische Störung hatten oder nicht“, bilanzieren die Wissenschaftler. „Diese Funde belegen, dass es keinen schädlichen Zusammenhang zwischen dem MMR-Impfstoff und Autismus gibt - nicht einmal bei Kindern, die schon ein höheres Autismusrisiko mitbringen.“

          Der Autismusexperte Bryan H. King von der University of Washington begrüßt die Studie in einem begleitenden Kommentar in „Jama“. Er weist aber auch daraufhin, dass bereits Dutzende Studien ähnliche Ergebnisse gebracht hätten. Dennoch scheint das Vorurteil gegenüber der Impfung nicht auszurotten sein - insbesondere bei Eltern, die besorgt sind, weil bei ihrem älteren Kind bereits Autismus diagnostiziert wurde.

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