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Hirnforschung und Therapie : Direkter Zugriff auf die Psyche

  • -Aktualisiert am

Psychotherapie im herkömmlichen Sinne. Nun wird sie ergänzt durch neue Methoden. Bild: Look

Die Vorstellungen, die wir von Psychotherapie haben, müssen erweitert werden. Inzwischen kann man auch Video-Feedback-Programme und die Gabe des Bindungshormons Oxytocin an Menschen mit Schmerzstörungen dazuzählen.

          Unter Psychotherapie verstehen wir die Behandlung psychischer Störungen mit psychologischen Methoden. Die Hirnforschung hat wichtige Beiträge zum besseren Verständnis psychischer Störungen wie auch zu ihrer Behandlung geliefert. Jedoch sind psychische Störungen keine Hirnerkrankungen wie die Epilepsie oder die Parkinson-Krankheit, obwohl dies oft behauptet wird, zum Beispiel vom amerikanischen National Institute of Mental Health, dessen Direktor Tom Insel immer wieder betont, dass psychische Störungen Hirnerkrankungen sind. Im Gegensatz zu neurologischen Störungen gibt es bei den psychischen Störungen bislang keine klaren Nachweise, dass tatsächlich ein krankhafter Gehirnprozess die Grundlage der Störung ist.

          Vielmehr belegt die neurowissenschaftliche Forschung, dass viele Hirnveränderungen durch Erleben, Verhalten und Umwelteinflüsse erst bedingt werden. So verändert frühkindliches Stresserleben das Volumen des Hippocampus und der Amygdala oder deren Verbindungen mit dem Frontalkortex. Dies sind Hirnregionen, die für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig sind und bei vielen Störungen wie Angst oder Depression im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung stehen. So haben beispielsweise Personen, die ein vermindertes Hippocampusvolumen haben, ein höheres Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken, jedoch reduziert Stresserleben selbst wieder den Hippocampus.

          Plastische Veränderungen

          In den vergangenen Jahrzehnten zeigte die Hirnforschung, dass das menschliche Gehirn sich nicht nur in der frühen Kindheit plastisch verändert, sondern dass Veränderungen der Struktur und Funktion des Gehirns bis in das hohe Lebensalter möglich sind. Diese plastischen Veränderungen des Gehirns können durch Verletzungen oder Erkrankungen auftreten, aber auch durch Stimulation und Lernen verursacht sein. Bei Geigenspielern vergrößern sich etwa im Gehirn die Areale der Tastrinde, die beim Geigenspiel besonders stimuliert werden. Auch bei der Schmerzverarbeitung lässt sich zeigen, dass ein und derselbe Schmerzreiz im Gehirn völlig anders verarbeitet wird, je nachdem, wie die Lerngeschichte zu diesem Schmerzerleben für die Person ist. In einem Schmerzexperiment erhielten am ersten Tag zwei Gruppen von Personen leicht schmerzhafte elektrische Reize, und es wurde mittels Magnetresonanztomographie geprüft, wie das Gehirn auf die Reize reagierte. Dies war bei beiden Gruppen gleich. In den folgenden zehn Tagen lernte eine Gruppe, dass das Bild eines Kreises das Auftreten von Schmerz signalisierte und dass nach einer Raute nie ein schmerzhafter Reiz kam. In einer zweiten Gruppe von Personen war der Schmerz unvorhersagbar: Kreis, Raute und Schmerzreize wurden in der gleichen Anzahl und Stärke, aber zufällig verteilt gegeben.

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