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Hirndegeneration : Kann man Demenz verhindern?

  • -Aktualisiert am

Ein Rückgang aller Risikofaktoren um zehn bis fünfzig Prozent würde die Zahl der Alzheimer-Demenzen um 23.000 bis 130.000 Fälle reduzieren. Bild: dpa

Viele Alzheimer-Erkrankungen könnten mit verstärkten Präventionsmaßnahmen vermieden werden. Denn ein großer Teil geht auf sieben Risikofaktoren wie etwa Rauchen oder mangelnde Bewegung zurück.

          Jede dritte Alzheimer-Demenz könnte auch in Deutschland auf vermeidbare Risikofaktoren zurückzuführen sein. Das legen Berechnungen von Tobias Luck und Steffi Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig nahe. Zu den vermeidbaren Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, starkes Übergewicht im mittleren Lebensalter, Diabetes, Depressionen, mangelnde körperliche Bewegung, Rauchen und eine geringe Bildung. Vor viereinhalb Jahren hatten zwei amerikanische Wissenschaftler kalkuliert, dass etwa fünfzig Prozent der weltweiten Alzheimer-Demenzen diesen sieben Risikofaktoren zuzuschreiben sind.

          Später haben andere Forscher diesen Anteil auf dreißig Prozent nach unten korrigiert. Die Hochrechnung von Luck und Riedel-Heller für Deutschland passt zu der korrigierten Schätzung. Viele Alzheimer-Erkrankungen könnten demnach vermieden werden, wenn die genannten Risikofaktoren eingedämmt würden, schreiben die beiden Demenzforscher in der Zeitschrift „Der Nervenarzt“.

          Tatsächlich ein kausaler Zusammenhang

          In Deutschland scheint die mangelnde körperliche Bewegung den größten Einfluss zu haben, gefolgt vom Rauchen. Luck und Riedel-Heller haben ermittelt, dass sich 217.000 Alzheimer-Demenzen vermeiden ließen, wenn sich jeder Mensch ausreichend bewegen würde. 149.000 Erkrankungen ließen sich vermeiden, wenn keiner mehr rauchen würde. Ein Rückgang aller Risikofaktoren um zehn bis fünfzig Prozent würde die Zahl der Alzheimer-Demenzen um 23.000 bis 130.000 Fälle reduzieren.

          In Deutschland leiden nach Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft etwa eine Million Menschen an der Krankheit. Weil die Behandlungsmöglichkeiten gering sind, ruhen die Hoffnungen auf Präventionsmaßnahmen. Die Demenzforscher plädieren daher dafür, sich verstärkt diesen vermeidbaren Risikofaktoren zu widmen.

          Luck und Riedel-Heller benennen allerdings auch die Grenzen ihrer Berechnungen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das ermittelte Präventionspotential eine zu optimistische Schätzung sei. Es sei auch nicht klar, ob es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen der Alzheimer-Demenz und den genannten Risikofaktoren gebe, oder ob es sich dabei um eine Assoziation handele. Die Hochrechnungen würden auch nicht berücksichtigen, dass eine Erhöhung der Lebenserwartung durch den Rückgang der Risikofaktoren wieder mehr Demenzen erzeugen würde, schreiben die beiden Forscher. Die absolute Zahl der Betroffenen könnte daher gleich bleiben.

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