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Herzrhythmusstörungen : Implantierte Lebensretter in Verruf

  • -Aktualisiert am

Ins Gerede gekommen: Implantierte Taktgeber Bild: Rush University

Menschen mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen können Defibrillatoren implantiert bekommen. Diese sind jedoch nicht ohne Tücken, wie der Tod eines jungen Patienten zeigt. Die Fehlfunktionen sind jedoch meist vom Menschen verursacht.

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          Viele Herzkranke, die sich einen sogenannten Defibrillator haben implantieren lassen, sind verunsichert. Denn in den vergangenen Jahren gab es mehrfach Berichte über folgenschwere Mängel bei diesen Elektroschockgeräten, die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen automatisch entgegenwirken sollen. So war ein junger Mann vor zwei Jahren sogar an den Folgen von schwerem Herzrasen gestorben, weil sein Schockgeber im entscheidenden Augenblick versagt hatte.

          Zahlreiche Patienten haben fast panikartig reagiert und den Defibrillator sofort entfernen lassen. Es wurden mehr als 70.000 Geräte des in Verruf geratenen Typs ausgebaut und durch andere Modelle ersetzt. Die Debatte über die Zuverlässigkeit solcher Apparate ist damit aber noch nicht vom Tisch. Auch auf der in der vergangenen Woche in Wien zu Ende gegangenen Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, mit rund 30.000 Teilnehmern einem der größten Medizinkongresse der Welt, kam dieses Thema zur Sprache. Die Frage nach den Risiken der - zweifellos oft lebensrettenden - Therapie stellt sich umso mehr, als eine wachsende Zahl von Patienten mit solchen Systemen versorgt wird.

          Unrühmliche Rolle eines Herstellers und der FDA

          Wenig Verständnis für die flächendeckende Entfernung der ins Gerede gekommenen Schockgeräte äußerte Bruce Wilkoff von der Cleveland Clinic Foundation. Der Austausch solcher Apparate berge nämlich ebenfalls gesundheitliche Gefahren, denen man die Patienten nicht leichtfertig aussetzen dürfe. Längst nicht alle ausgebauten Systeme hätten bedrohliche Mängel aufgewiesen. Sie hätten daher nicht sofort ersetzt werden müssen. Dass die Elektroschocktherapie schwere Komplikationen hervorrufen kann, sei zudem schon länger bekannt. Wie der amerikanische Experte zugleich bemängelte, wird über die Häufigkeit solcher Zwischenfälle bislang viel zu wenig Buch geführt.

          Lebensrettendes Implantat: Defibrillator
          Lebensrettendes Implantat: Defibrillator : Bild: AP

          Erheblich in die Kritik geraten ist bei dem Debakel um die schadhaften Defibrillatoren unter anderem die Geräteindustrie. Angeblich wusste ein Hersteller schon lange vor dem fatalen Unglücksfall um die Anfälligkeit einer seiner Defibrillatoren, hatte die Ärzte hierüber jedoch nicht in Kenntnis gesetzt. Auch soll das Unternehmen die unzuverlässigen Systeme noch längere Zeit verkauft haben. Eine unrühmliche Rolle in dem tödlichen Versteckspiel spielte außerdem die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA. Laut Robert Hauser und Barry Maron vom Herzinstitut in Minneapolis (Minnesota), den Ärzten des am plötzlichen Herztod verstorbenen jungen Mannes, war die FDA von dem Hersteller Guidant frühzeitig über die technischen Schwächen eines der später zurückgezogenen Apparate informiert worden. Die Behörde hatte ihr Wissen jedoch ebenfalls für sich behalten - weshalb, bleibt bis heute ihr Amtsgeheimnis.

          „98 Prozent menschliches Verschulden“

          Als die größte Schwachstelle der Defibrillatoren gelten die über das Gefäßsystem in das Herz vorgeschobenen Elektrodenkabel. So wurde häufiger berichtet, dass die Stromleitungen abbrechen oder ihre Isolierschicht verlieren, was Kurzschlüsse oder andere Fehlfunktionen zur Folge hat. Das Versagen der Technik ist gleichwohl nicht der einzige Grund, weshalb die Elektroschocktherapie mitunter fehlschlägt. Ganz oben auf der Liste der Komplikationen stehen die Infektionen. So können sich bei der Implantation der Geräte - meist werden diese unterhalb des linken Schlüsselbeins in die Haut versenkt - eingeschleppte Bakterien leicht vermehren, weil der Körper das fremde Material mit einem kompakten, für die Abwehrzellen schwer durchdringbaren Narbenkokon umgibt. Bemerkbar macht sich der Bakterienbefall häufig aber erst beim Austausch des Defibrillators, wenn die Bindegewebskapsel geöffnet wird und die Erreger in die Blutbahn gelangen. Dies ist auch der Grund, weshalb die Gefahr von Infektionen mit jedem Gerätewechsel steigt.

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