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Herzkreislaufkrankheiten : Der Händedruck verrät es

  • -Aktualisiert am

Ist der Händedruck fest oder schwach? Aussagen lassen sich nur treffen, wenn ein Messgerät zum Einsatz kommt, ein einfaches Händeschütteln reicht nicht. Bild: dpa

Die Kraft, mit der jemand zugreift, sagt einer neuen Studie zufolge viel darüber aus, wie gesund Herz und Kreislauf sind - und wie hoch das Risiko ist, in den kommenden vier Jahren zu sterben.

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          Die Kraft, mit der jemand zupackt, sagt einiges über dessen Risiko, in den nächsten vier Jahren zu sterben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln. Bei einem schwachen Händedruck ist das Risiko für die genannten Gefahren höher als bei einem starken Händedruck. Dieser Zusammenhang gilt für Männer und Frauen gleichermaßen und ist unabhängig vom Alter, der ethnischen Zugehörigkeit, dem Lebensstandard und dem soziokulturellen Umfeld der Menschen. Er lässt sich offenkundig in Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten ebenso nachweisen wie in Polen, China, Bangladesch und Simbabwe, berichten Darryl Leong von der McMaster Universität im kanadischen Hamilton und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Lancet“ (doi: 10.1016/S0140-6736(14)62000-6).

          Dieser Zusammenhang ist kein auf westliche Industrienationen beschränktes Phänomen. Die Untersuchung war Teil der sogenannten PURE-Studie, an der sich siebzehn Länder und rund 140 000 Personen beteiligt haben. Diese Studie hat geprüft, welche Wirkungen gesellschaftliche Einflüsse auf chronische, nicht durch Infektionen bedingte Erkrankungen in den unterschiedlichsten Teilen der Welt haben. Dabei wurde eine Fülle von Daten erhoben, die jetzt nach und nach ausgewertet werden, auch Daten zur Kraft in den Händen. Deutschland war kein Teilnehmer-Land.

          Gutes und einfaches Mittel

          Leong und seine Kollegen sind der Ansicht, dass der Händedruck ein gutes und einfaches Mittel ist, Menschen mit einem höheren Risiko für einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, einer zu erwartenden Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einen frühen Tod zu identifizieren. Avan Aihie Sayer von der Universität Southampton und Thomas Kirkwood von der Universität Newcastle, die die Ergebnisse in „Lancet“ kommentieren, sehen in der Kraft der Hände sogar einen möglichen, leicht zu messenden Biomarker für das biologische Alter (doi: 10.1016/S0140- 6736(14)62349-7).

          Darryl Leong und seine Kollegen haben die Studienteilnehmer vier Jahre lang in regelmäßigen Abständen nach deren Krankengeschichte befragt, weitere Informationen gesammelt und die Kraft in den Händen gemessen. Dafür benutzten sie ein Hand-Dynamometer, das die Greifkraft in Kilogramm angibt. Zu Beginn der Studie wurde nur die dominante Hand vermessen, später beide Hände. Die Wissenschaftler haben die Werte für die Kraft in den Händen mit den Krankengeschichten der Personen in Beziehung gesetzt.

          Risiko für Herzinfarkt

          Mit jedem Rückgang der Greifkraft um fünf Kilogramm stieg das Risiko in den kommenden vier Jahren an irgendeiner Erkrankung zu sterben, um sechzehn Prozent an. Das Risiko, in den nächsten vier Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, nahm um siebzehn Prozent zu. Das Risiko für einen Herzinfarkt stieg um sieben Prozent, für einen Schlaganfall um neun Prozent. Diese Zusammenhänge wurden nicht durch andere gesundheitsrelevante Faktoren verfälscht wie etwa durch das Alter der Teilnehmer, den Trainingszustand, den Konsum von Alkohol oder Tabak, die Schulbildung oder den Beschäftigungsstatus. Die Kraft in den Händen hatte sogar einen höheren Vorhersagewert als der systolische Blutdruck. Das ist der erste und obere Wert in dem Zahlenpaar für den Blutdruck. Er gibt die Auswurfleistung des Herzens an. Dass der Zusammenhang für die Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezifisch ist, machen Darryl Leong und seine Kollegen an der Tatsache fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen einem schwachen Händedruck und einem höheren Risiko für Diabetes oder einer Erkrankung der Atemwege gab. Allerdings täten sich epidemiologische Beobachtungsstudien schwer, kausale Zusammenhänge nachzuweisen, schreiben Sayer und Kirkwood in ihrem Kommentar.

          Die Wissenschaftler haben bisher keine schlüssige Erklärung dafür, warum es einen Zusammenhang zwischen der Muskelkraft und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt. Es könnte sein, dass eine reduzierte Muskelkraft in den Händen Ausdruck für ein Problem in den Muskelzellen ist, das sich auch in den Gefäßwänden niederschlägt. Allerdings ist das derzeit nur eine Hypothese. Es ist auch unklar, ob eine Verbesserung der Greifkraft die Risiken wieder reduziert.

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