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Herzinfarkt : Salzregulator unter Verdacht

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Erhöht Aldosteron das Sterberisiko bei Herzinfarkt? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Bei Patienten mit akutem Herzinfarkt besteht offenbar ein erhöhtes Sterberisiko, wenn sie übermäßige Mengen an Aldosteron im Blut aufweisen. Dieses Hormon drosselt die Salzausscheidung.

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          Bei Patienten mit akutem Herzinfarkt besteht offenbar ein erhöhtes Sterberisiko, wenn sie übermäßige Mengen an Aldosteron im Blut aufweisen. Dieses Hormon drosselt die Salzausscheidung. Zu diesem Schluß kommen jedenfalls französische Kardiologen in einer Untersuchung, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Circulation“ (Bd. 114, S. 2572) veröffentlicht worden sind.

          Daß eine Überflutung des Organismus mit dem in der Nebennierenrinde gebildeten Botenstoff Aldosteron dem Herz-Kreislauf-System zusetzt, ist zwar schon länger bekannt. Erst seit einiger Zeit geht man aber intensiv der Frage nach, ob der Salzregulator an der Entstehung häufig vorkommender Krankheiten mitwirkt. Denn einige weit verbreitete Herz-Kreislauf-Leiden, etwa hoher Blutdruck und Herzschwäche, gehen mit erhöhten Aldosteronmengen im Blut einher. Wie sich ferner gezeigt hat, profitieren viele der Betroffenen von Medikamenten, die dem salzsparenden Hormon gewissermaßen das Wasser abgraben.

          Bestätigen weitere Studien die Beobachtungen?

          Die Kardiologen Farzin Beygui und Gilles Montalescot von der Universitätsklinik Pitié-Salpêtrière in Paris haben 356 Männer und Frauen mit akutem Herzinfarkt untersucht. Im Verlauf von sechs Monaten starben insgesamt 36 Patienten zumeist an infarktbedingten Komplikationen, etwa schweren Herzrhythmusstörungen, Herzversagen oder einem Riß in der Herzwand. Auffallend viele dieser Patienten hatten, als sie ins Krankenhaus gekommen waren, übermäßige Mengen an Aldosteron im Blut aufgewiesen. Je höher die Konzentration, die man bei ihnen festgestellt hatte, desto größer war das Risiko, daß sich in der Folgezeit ein schwerer Zwischenfall ereignete. So erlitten von den Patienten mit den höchsten Aldosteronwerten im Blut fast viermal so viele eine tödliche oder lebensbedrohliche Komplikation als von jenen mit den geringsten Mengen.

          Wie David Calhoun von der Universität in Birmingham (Alabama) in derselben Ausgabe von „Circulation“ (S. 2572) anmerkt, sind die Beobachtungen der französischen Kardiologen klinisch von erheblicher Bedeutung. Zwar können sie nicht als Beweis dafür gelten, daß Aldosteron den tödlichen Komplikationen eines Herzinfarkts Vorschub leiste. Calhoun hält eine Mittäterschaft des Salzregulators gleichwohl für wahrscheinlich. Weitere Studien müssen nun klären, inwieweit sich die Beobachtungen der französischen Forscher bestätigen lassen.

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