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Herzchirurgie : Das Kunstherz könnte die Zukunft sein

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Herzoperation im Herzkatheterlabor am Uniklinikum Heidelberg Bild: Frank Röth

Die deutschen Herzchirurgen setzen viel Hoffnung auf neue künstliche Kreislaufpumpen – auch, weil sich die Zahl der Transplantationen von Spenderherzen auf einem Rekordtief befindet.

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          Die Herzchirurgen verzeichnen erneut einen bitteren Rekord: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Herztransplantationen auf 294 gesunken und damit auf den tiefsten Stand seit 1994. Für die wachsende Zahl an Patienten, die verzweifelt auf ein neues Herz warten, bleibt damit wenig Hoffnung, in naher Zukunft wieder ein weitgehend normales Leben führen zu können. Denn dieses Ziel lässt sich nach wie vor am besten mit einer Transplantation erreichen. Umso wichtiger erscheint es vor diesem Hintergrund, die wenigen verfügbaren Organe so nutzbringend wie möglich einzusetzen. Das sei momentan aber nicht gewährleistet, sagte Jochen Cremer vom Universitätsklinikum Kiel Mitte Februar auf der Jahrestagung der herzchirurgischen Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in Freiburg im Breisgau. Spenderherzen würden nämlich derzeit fast ausschließlich nach der höchsten Dringlichkeitsstufe verteilt. Je kränker aber der Patient, desto schlechter seien die Ergebnisse einer Herztransplantation. Die Sterblichkeit der Betroffenen habe in letzter Zeit daher auch zugenommen – ein Missstand, dem die Transplantationsmediziner mit einem neuen System der Organzuteilung begegnen wollen. Mehr Berücksichtigung finden sollen darin die mittel- bis längerfristigen Erfolgsaussichten der Therapie. „Es hat keinen Sinn, immer so lange zu warten, bis die Betroffenen zu Kandidaten für eine dringende Organtransplantation werden“, betont Cremer, der derzeit das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie innehat.

          Sicherlich, auch in der Vergangenheit hat die Verfügbarkeit von Spenderorganen den Bedarf nicht annähernd gedeckt. Dieser Mangel ist nach wie vor impulsgebend für die Weiterentwicklung von hochspezialisierten Blutpumpen, die das Herz bei seiner Arbeit unterstützen oder dieses ganz ersetzen. Im vergangenen Jahr wurden bereits knapp 1000 Personen mit solchen Geräten versorgt, viermal so viele wie im Jahr 2005. Mehr als neunzig Prozent der Betroffenen erhielten dabei eine Kreislaufpumpe, die nur den linken Ventrikel unterstützt. Denn die linksventrikulären Unterstützungssysteme haben sich sehr viel mehr bewährt als solche, die beiden Ventrikeln unter die Arme greifen. Versagt auch die rechte Herzkammer, stoßen die „halbherzigen“ Gehilfen freilich an ihre Grenzen. Aus dem Grund gibt es weltweit Bestrebungen, einen vollständigen Herzersatz zu entwickeln, der sich auch als Alternative und nicht nur als Überbrückung bis zur Transplantation eignet. Bei den derzeit verfügbaren Kunstherzen sei das nicht der Fall, sagte Friedhelm Beyersdorf vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg. Etwa so groß wie ein Kühlschrank, fesselten sie den Patienten ans Krankenbett. „Darüber hinaus sind die Apparate extrem laut.“

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