https://www.faz.net/-gwz-7z0ty

Größere Heilungschancen : Herzpatienten überleben, wenn der Arzt beim Kongress ist

  • -Aktualisiert am

Ein Arzt misst den Blutdruck einer jungen Patientin. Bild: Picture-Alliance

Wenn Kardiologen auf Tagungen weilen, profitieren ihre Patienten: Für Notfälle mit Herzversagen und Herzstillstand steigen offenbar während dieser Abwesenheiten die Überlebenschancen.

          1 Min.

          Nur noch wenige Wochen, dann geht die Kongress-Saison für die Mediziner wieder los. Die Internisten tagen in Mannheim, die Chirurgen treffen sich in München, die Fachärzte für psychosomatische Medizin kommen in Berlin zusammen. Schon jetzt zeigen sich die Vorboten dieser Zeit intensiver Weiterbildung. In Praxen und Kliniken verhandelt das Team um Dienstpläne, OP-Termine und Vertretungen – und das voller Vorfreude. Denn Tagungen taugen auch zum Wiedersehen alter Studienfreunde, zum Bummeln über die Industriemesse, zum Loungen und Lunchen. Der Lustfaktor ist hoch, ein großer Kongress kann auch eine kleine Sause sein.

          Die Patienten profitieren

          Fast ein bisschen egoistisch mutet das an, denkt man daran, wie sehr der Ärztemangel strukturschwache Regionen beutelt. Während die Mediziner in klimatisierten Kongresszentren miteinander Kaffee trinken, steht der Patient daheim vor verschlossenen Türen. Vielleicht wird er dann nach gehöriger Wartezeit doch noch behandelt, aber jedenfalls nicht vom Spezialisten – der hält derweil einen Vortrag im „Saal Paris“, huscht zwischen zwei Symposien schnell zum Shoppen ins Kadewe und stößt abends an der Hotelbar auf die alten Zeiten an. Allerdings muss der Kurztrip der Koryphäe für den Notfallpatienten nicht zwingend zum Desaster werden. Im Gegenteil: Der Kongressbesuch – zumindest der von Kardiologen – kann zur Win-Win-Situation für Ärzte und Patienten werden. Darauf weisen Wissenschaftler um Anupam Jena von der Harvard Medical School in Boston im Fachjournal „Jama Internal Medicine“ hin. Sie untersuchten über den Zeitraum von einem Jahrzehnt, welchen Einfluss es auf die Sterblichkeit von Herzpatienten hat, wenn sie während der großen nationalen Kardiologenkongresse in die Notaufnahme eingewiesen werden – also dann, wenn viele Herzspezialisten verreist sind.

          Erstaunlicherweise war es für Patienten mit Herzversagen und solche mit Herzstillstand von Vorteil, wenn sie auf dünn besetzte Ärzteteams trafen. Bei Herzinfarktpatienten zeigte sich zwar kaum ein Unterschied, aber während der Kongresszeiten wurden ihnen weniger häufig Ballonkatheter eingesetzt – und sie hatten dennoch unveränderte Überlebenschancen. Zu klaren Schlussfolgerungen, gar Tipps für die Zukunft lassen sich die Autoren nicht hinreißen, obgleich sich eine alte Empfehlung in diesem Fall mehr als aufdrängt: Man braucht einfach mehr Weiterbildung für Ärzte.

          Weitere Themen

          Wenn Metall am Haar zerbricht

          FAZ Plus Artikel: Stumpfe Klingen : Wenn Metall am Haar zerbricht

          Amerikanische Forscher wollten wissen, warum Rasierklingen sich abnutzen. Sie fanden heraus: Die Dinger werden überhaupt nicht stumpf. Das Problem liegt anderswo. Und langlebigere Klingen sind eventuell gar nicht erwünscht.

          Schusswaffen in Nordamerika Video-Seite öffnen

          Videografik : Schusswaffen in Nordamerika

          Wegen mutmaßlicher Finanzvergehen will der Bundesstaat New York die mächtige Waffenlobbygruppe NRA verbieten lassen. Der Besitz von Schusswaffen ist in der Gesellschaft Nordamerikas tief verwurzelt. Jedes Jahr sterben zehntausende Menschen durch Waffengewalt.

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Warum die Zahlen in Spanien wieder ansteigen

          Nirgendwo in Westeuropa gibt es so viele Neuinfektionen wie in Spanien – und das, obwohl nahezu überall Maskenpflicht herrscht und die Behörden wieder Ausgangssperren verhängen. Nun warnt das Auswärtige Amt auch vor Reisen nach Madrid.
          Mike Pompeo und seine Frau Susan bei der Ankunft am Prager Flughafen am 11. August

          Zum Auftakt der Europareise : Pompeo erhält eine deutliche Botschaft

          Der amerikanische Außenminister besucht in dieser Woche vier europäische Länder. Es geht um Truppenstationierungen und um China. Gleich zu Beginn kommt aus Moskau deutliche Kritik: vom deutschen Außenminister.

          Putins Corona-Politik : Der Impfstoff-Murks aus Moskau

          Putin hat mit der Zulassung des weltweit ersten Corona-Impfstoffs vielleicht seinen Sputnik-Moment, doch Sektkorken knallen keine. Das rücksichtslose politische Manöver kann der Impfstoffentwicklung weltweit schaden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.