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Hebammen : Wer haftet bei Komplikationen?

  • -Aktualisiert am

Wenn das Baby gewogen werden soll, kommt die Hebammenwaage zum Einsatz. Bild: picture alliance / ZB

Meist geht bei einer Geburt alles gut. Wenn es aber doch zu Komplikationen kommt, kann das sehr teuer werden. So teuer, dass sich viele Hebammen den Versicherungsschutz nicht mehr leisten können. Ihr Pech?

          Hebammen sind zurzeit schwer angesagt. Mehr als fünf Millionen Zuschauer wollten am vergangenen Dienstag den Historienschinken „Die Hebamme“ sehen, in dem sich eine tapfere junge Frau der Goethezeit liebevoll der Schwangeren annimmt, während alle Ärzte um sie herum lediglich an der medizinischen Seite der Geburt interessiert sind.

          Der Film spielt im Jahr 1799, seitdem hat sich im Bereich der Geburtshilfe einiges getan, nicht zuletzt durch die entscheidende Rolle, die Hebammen heute dabei einnehmen. Sie sind in Deutschland laut Gesetz bei jeder Geburt dabei, betreuen Frauen in der Schwangerschaft und in der ersten Zeit mit dem Neugeborenen, versorgen bei der Geburt entstandene Wunden und ziehen auch schon mal die Fäden eines verheilten Dammschnitts. Sie sind die wichtigste Ansprechpartnerin für alle Fragen rund ums Kind, raten, trösten und vermitteln Sicherheit in einer Situation, in der junge Eltern oft genug überfordert sind.

          Auf 650 000 Geburten kommen zwölf Großschäden

          Doch während Filme wie „Die Hebamme“ und viele ähnlich gestrickte vom positiven Image des Berufsstands profitieren, ist dieser in Gefahr. In Deutschland gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Jahr 2010 etwa 21 000 Hebammen, von denen 8500 in Krankenhäusern angestellt und die übrigen ganz oder teilweise freiberuflich tätig waren. Von Juli nächsten Jahres an, so warnen Hebammenverbände, könnten die vielen selbständigen Hebammen ohne Versicherung dastehen - und damit ohne Arbeitserlaubnis. Denn dann wird mit der Nürnberger Versicherung eines der letzten Unternehmen aus dem Hebammengeschäft aussteigen, die sich dort bislang noch engagieren.

          Hebammen beruflich abzusichern lohnt sich für Versicherungsgesellschaften kaum noch. Die Kosten, die im Fall eines Schadens beim Kind übernommen werden müssen, sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen: seit 2003 um 80 Prozent. Zwar machen die Hebammen nicht mehr Fehler als früher. So sagt eine Sprecherin des Deutschen Hebammen-Verbands (DHV), in dem 18 300 Mitglieder organisiert sind, dass dort jährlich etwa 100 mögliche Schadensfälle gemeldet würden, von denen dann etwa 50 juristische Folgen hätten. Insgesamt stehen den jährlich mehr als 650 000 Geburten in Deutschland nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gerade einmal zwölf sogenannte Großschäden gegenüber - etwa wenn ein Kind während der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommt, schwerste Hirnschäden davonträgt und sein Leben lang versorgt werden muss.

          Doch diese wenigen Großschäden verursachen Gesamtkosten von jeweils mehr als 100 000 Euro - bei vielen ist der Betrag sogar deutlich höher. „Unterläuft bei einer Geburt ein Fehler, und das Kind ist schwer geschädigt, leistet der Versicherer im Durchschnitt heute 2,6 Millionen Euro“, heißt es in einer Stellungnahme des GDV. Denn die therapeutischen Möglichkeiten werden immer besser. Damit ist, glücklicherweise, die Überlebensrate von Kindern gestiegen, die in früheren Zeiten gestorben wären. Aber ebenso die Kosten vor allem für Pflege und Verdienstausfall.

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