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Haartransplantation : Schütteres Haar ist dir gegeben

  • -Aktualisiert am

Christoph Metzelder vorher ... Bild: firo Sportphoto

Wenn die Lücken immer größer werden, treibt es viele Männer zum Haarchirurgen. Jüngstes Beispiel: der Fußballer Christoph Metzelder.

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          Wenn Fußball-Prominente Geheimnisse lüften, geschieht dies meist in „Bild“: Dort bekannte sich vor drei Jahren erst einmal Jürgen Klopp zu einer Haartransplantation. Deren Ergebnis sei „ganz cool geworden, oder?“. 2014 tat es ihm Benedikt Höwedes mit den Worten „Warum auch nicht?“ gleich. Anfang vergangener Woche folgte dann Christoph Metzelders Eingeständnis, auch seine neuerdings zu bewundernde Haarpracht sei nicht natürlichen Ursprungs. Eine Glatze stehe ihm einfach nicht, so der Ex-Nationalspieler. Die Liste derer, die eine künstliche Haarkorrektur hinter sich haben, ließe sich fast beliebig um Prominente wie Silvio Berlusconi, FDP-Chef Christian Lindner oder Schauspieler wie John Travolta erweitern.

          Die Kasse zahlt nichts

          Das Verpflanzen eigenen Hinterhaupthaars in die Problemzonen des Mannes ist dank dieser Vorbilder längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Über die Zahl der schütter behaarten Männer, die sich der Prozedur unterziehen, gibt es nur Schätzungen. „Das Interesse hat seit Klopp deutlich zugenommen, in Deutschland sind es jährlich Zehntausende Patienten, weltweit über eine Million“, sagt der Berliner Haarchirurg Andreas Finner. Man muss dafür auch nicht unbedingt prominent oder steinreich sein: Kleinere Korrekturen der Geheimratsecken gehen bei rund zweitausend Euro los, wer sich in einer renommierten Haarklinik größere Flächen verpflanzen lässt, ist allerdings schnell einen fünfstelligen Betrag los.

          Zuschüsse von der Krankenkasse sind dabei kaum zu erwarten. „Eine Glatze ist an sich ja auch keine Krankheit, sondern nur eine Variante des männlichen Phänotyps“, sagt Hans Wolff, Leiter der Haarsprechstunde an der Hautklinik der LMU München. Bei bis zu 70 Prozent aller Männer käme es eben früher oder später zum erblich bedingten Haarausfall. Dieser beginnt meist an den Schläfen und weitet sich später in vielen, wenn auch durchaus nicht in allen Fällen, auf die Kopfoberseite aus. Schuld daran ist eine genetisch bedingte, mit den Jahren steigende Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem männlichen Hormon Dihydrotestosteron (DHT). „Jedes unserer zu Beginn rund 100000 Haarfollikel am Kopf hat eine Art biologische Sanduhr in sich, die ihre Lebenserwartung bestimmt“, sagt Wolff. Weil Frauen deutlich niedrigere DHT-Spiegel haben, bleibt diese Form des Haarausfalls weitgehend auf Männer beschränkt.

          Einst waren ältere Männer offenbar attraktiver

          Je nach Veranlagung kann der Haarausfall auch schon in frühen Jahren beginnen, wie die Beispiele von Höwedes oder seinem englischen Kollegen Wayne Rooney belegen, die sich beide bereits mit Mitte zwanzig ihrer ersten Transplantation unterzogen. Dabei werden komplette Haarfollikel, also die Haarwurzel mitsamt den dazugehörigen Hautstrukturen, vom relativ ausfallresistenten Hinterkopf an die kahlen Schläfen verpflanzt. Sie überleben dort deutlich länger als das ursprüngliche Haar, weil die genetische Ausstattung der Haarwurzel und damit ihr Risiko, abzusterben, allein von deren ursprünglicher Position, nicht aber vom Zielgewebe abhängt.

          Warum die innere Uhr der Follikel an den Schläfen schneller abläuft als am Hinterkopf, ist ein evolutionsbiologisches Rätsel. Möglicherweise, so eine Theorie, signalisiere das typisch männliche Muster des Haarausfalls einen gewissen Grad an Reife, der auf das andere Geschlecht ursprünglich attraktiv gewirkt haben könnte. Im modernen Schönheitsideal westlicher Industriestaaten jedoch steht Jugendlichkeit höher im Kurs.

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