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Glosse : Schallmatt

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Sie war’s, aber längst nicht nur sie: das Pestreservoir Ratte. Bild: Pakhnyushchyy - Fotolia

Im Rattenexperiment funktioniert es: Eine Behandlung der Hoden mit Ultraschall kann als "Pille für den Mann" herhalten. Doch wer lässt sich darauf ein?

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          Ultraschall hat seinen festen Platz in der Familienplanung, insbesondere wenn entzückte Eltern zum ersten Mal ihren werdenden Nachwuchs sehen und dann allen Verwandten und Bekannten voller Begeisterung ein Bild zeigen wollen. Die hochfrequenten Schallwellen können aber auch, in anderer „Dosierung“ versteht sich, durchaus invasiv genutzt werden. Es gibt sogar das Ultraschallschweißen. In die Richtung geht in etwa, was sich jetzt Forscher der University of North Carolina ausgedacht haben: Ultraschall für die Empfängnisverhütung bei Männern.

          Sie betäubten dazu in ersten Experimenten Rattenmännchen, hängten die Hoden der Nager für fünfzehn Minuten in ein 37 Grad warmes Wasserbad, in dem sie zweimal mit Ultraschall behandelt wurden. Nach dieser Sequenz konnten die männlichen Ratten zwar noch Nachwuchs zeugen, wie der Paarungstest mit zwei Weibchen in einem Käfig bewies, aber die Post-mortem-Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop zeigte, dass der „Sperm Count Index“ bei null liegt.

          Wie lange hält der Effekt an?

          Das bedeutet, die Zahl der Spermien in den Ratten liegt offenbar weit unter jener, bei der Männer gewöhnlich noch fruchtbar sind. Wer aber jetzt schon mit seiner Frau zusammen zur Ultraschalluntersuchung gehen will, um das werdende Kind zu bestaunen und gleichzeitig ungewollten Geschwistern vorzubeugen, sei gewarnt. Denn wie lange der Effekt der Behandlung anhält oder ob Spermien dauerhaft beschädigt werden, ist völlig unklar.

          Falls die neue Technik auch dieses Hindernis im Labor überwindet, müssen die Forscher allerdings auch eine Antwort auf ein Problem finden, das die Entwicklung von Verhütungsmitteln für Männer bislang nachhaltig bremst. Männer fürchten nämlich, dass mit der Zeugungsfähigkeit auch ihre Männlichkeit verlorengeht, und verweigerten bisher in großer Zahl die Teilnahme an klinischen Studien. Männer sind, was das angeht, keine Helden. Dass die Aussicht auf ein regelmäßiges Ultraschallbad schließlich deren Bereitschaft zur Empfängnisverhütung zu verbessern vermag, darf erst einmal bezweifelt werden.

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