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Glosse : Kaffeesatz

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Bild: dpa

Koffein und Schwangerschaft: In Amerika schaut man werdende Mütter mit Cappucino-to-go schief an, in Deutschland nicht. Doch was sagen wissenschaftliche Studien?

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          Ein paar ernste Worte vorab, schließlich sollte dadurch, dass dieser Artikel in der Glossenecke steht, nicht der Eindruck erweckt werden, es gehe um ein ganz und gar harmloses Thema: Was Frauen während ihrer Schwangerschaft zu sich nehmen, ist eine durchaus brisante Frage - gerade in Deutschland. Denn hier trinken schwangere Frauen im europäischen Vergleich besonders viel Alkohol - mit desaströsen Konsequenzen für die Föten. Eine andere Substanz allerdings kann wohl vergleichsweise folgenlos konsumiert werden: Koffein. Zumindest legen diesen Schluss viele Studien nahe, denn ob Schwangere Kaffee und Cola trinken sollten oder nicht, gehört wohl zu den meistuntersuchten Fragen der Pränatalmedizin.

          Brasilianische Wissenschaftler fügen jetzt einen neuen Puzzlestein hinzu und schreiben im Fachmagazin „Pediatrics“, dass Kinder von Frauen, die vor und nach der Geburt viel Kaffee und Mate-Tee konsumierten, in den ersten drei Lebensmonaten weder besser noch schlechter schlafen als andere Säuglinge (doi:10.1542/peds.2011-1773). Untersucht wurden rund neunhundert Babys. Die Studie reiht sich ein in eine lange Reihe von Forschungsarbeiten zu Koffein und Schwangerschaft. Einzelne Studien wiesen nach, dass Koffein sich ungünstig auf das Wachstum des Fötus auswirkten, andere kamen zu gegenteiligem Schluss, wieder andere zeigten, dass koffeinhaltige Limonade die Fruchtbarkeit von Frauen einschränkt, schwarzer Tee sie aber erhöht. Wer auf die Wachmachersubstanz auch in anderen Umständen nicht verzichten will, aber zweifelt und Listen wissenschaftlicher Literatur konsultiert, muss sich damit abfinden, dass die Lektüre dem Lesen von Kaffeesatz gleicht. Wohl deshalb kam die Öffentlichkeit zu einem eigenen und nicht ganz ideologiefreien Konsens: In Deutschland etwa halten sich Schwangere am Kaffeeautomaten nicht zurück, in Amerika dagegen wird eine werdende Mutter, die sich mit einem Starbucks-Becher erwischen lässt, ähnlich schief angeschaut wie hierzulande Schwangere mit Zigarette. Und das Misstrauen geht in den Vereinigten Staaten sehr weit - das zeigte im vergangenen Herbst eine Studie, die im „American Journal of Obstetrics & Gynecology“ erschien: Sobald amerikanische Frauen eine Schwangerschaft planen, reduzieren sie demzufolge sofort voller Sorge ihren Koffeinkonsum. Etwas anderes schränken sie hingegen nicht ein: den Genuss von Alkohol und Zigaretten.

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