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Gesundheitsindustrie : Der Pharmamarkt? Ein Bazar!

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Einsätze im Spiel: Geld und Pillen Bild: DIETER RÜCHEL

Fast 28 Milliarden Euro geben die deutschen Krankenkassen im Jahr für Arzneimittel aus. Sie wollen sparen und feilschen nun mit den Herstellern um Rabatte. Was die einen als kreative Preisgestaltung loben, finden andere fragwürdig. Und die Patienten sind mehr als nur verunsichert.

          T-R-A-M-A-D-O-L-O-R. Petra Herrmann tippt den Namen des Schmerzmittels in die Suchmaske ihres Software-Programms. Bei welcher Kasse ist der Patient versichert? Die Inhaberin einer Apotheke aus Düsseldorf schaut noch einmal auf das Rezept. B-E-K. Enter. Ein rotes Signal erscheint. "Grün würde bedeuten, ich kann das Medikament aushändigen, das auf dem Rezept steht", sagt Herrmann. Rot aber heißt: Die Krankenkasse hat für das Mittel einen Rabattvertrag mit bestimmten Herstellern abgeschlossen. In diesem Fall ist es die Barmer Ersatzkasse, die gleich mit drei Unternehmen eine Vereinbarung getroffen hat, und nur deren Produkte darf Herrmann herausrücken. Laut Listenpreis würde eines davon regulär 10,58 Euro kosten, die anderen 10,60 Euro und 10,63 Euro. Aber wie viel Rabatt auf welches Mittel die Kasse wirklich bekommt, weiß Petra Herrmann nicht. "Ich brauchte eigentlich gar nicht mehr auf den Preis zu schauen", sagt sie.

          Mit Inkrafttreten der jüngsten Gesundheitsreform ist Chaos auf dem deutschen Arzneimittelmarkt eingekehrt: Seit 1. April 2007 ist die neue Regelung in Kraft, und die Apotheker sind per Gesetz dazu verpflichtet, nur noch die Packungen der Rabattpartner der jeweiligen Kasse abzugeben, sofern der Arzt diesen Austausch nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat. Um die Marktanteile in Deutschland - Europas größtem Medikamentenmarkt und Experimentierfeld für die Preisgestaltung - ist ein erbitterter Kampf entbrannt.

          Beschwerden beim Kartellamt

          Dass Krankenkassen überhaupt mit über Preise verhandeln können, liegt schlicht daran, dass es meist mehrere konkurrierende Unternehmen gibt, die Generika anbieten, also Nachahmerpräparate mit den gleichen Wirkstoffen. Die AOK machte den Anfang und startete im Frühjahr 2007 die erste Ausschreibung. Die großen Generika-Hersteller ratiopharm, Stada und Hexal boten nicht mit, dafür kamen andere zum Zuge. Der israelische Pharmakonzern Teva etwa, bis dahin kaum auf dem deutschen Markt vertreten, unterschrieb einen Vertrag mit Deutschlands größter Kasse. Das zahlte sich aus: Teva gewann enorme Marktanteile und verkauft beispielsweise statt bislang 500 Packungen Bisoprolol plötzlich übers Jahr gerechnet 60 000 Packungen des Blutdrucksenkers.

          Während die ehemaligen Marktführer starke Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, freute sich die Krankenkasse: "Wir knacken das Preiskartell bei den Generika", prophezeit Christopher Hermann, stellvertretender Vorsitzender des AOK-Landesverbands Baden-Württemberg. Er ist mit dem Aushandeln der bundesweiten Rabatte betraut. Noch geht aber sein Plan nicht auf, die AOK musste in diesem Frühjahr einige Teilverträge wieder auf Eis legen. Denn etliche Unternehmen, die keinen Zuschlag erhalten hatten, gingen vor Gericht und legten beim Bundeskartellamt Beschwerde ein. Schließlich konnten mit 30 Herstellern doch noch Verträge ausgehandelt werden. Aber nur für 22 Wirkstoffe statt der gewünschten 83. So lassen sich für den Zeitraum 2008/2009 auch nicht bis zu eine Milliarde Euro Beitragsgelder einsparen, sondern nur 175 Millionen, schätzen die AOK-Verantwortlichen.

          Die neue Macht der Kassen

          Inzwischen sind fast alle anderen deutschen Krankenkassen dem Beispiel der AOK gefolgt. Wenn ein Hersteller ihnen Rabatte bei Arzneimitteln gewährt, sichern sie ihm im Gegenzug ein Monopol zu. Das verleiht den Kassen eine neue Macht, und der Laie verliert den Überblick: Nach Angaben des Branchenverbandes Pro Generika haben bis Juni 2008 bereits mehr als 240 Krankenkassen mit 93 Herstellern von Nachahmermedikamenten insgesamt 3596 Verträge abgeschlossen. "Wenn allerdings jede Kasse mit jedem Hersteller Rabatte aushandelt, führt das das ganze System ad absurdum", sagt Sven Detlefs, Geschäftsführer der Teva.

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