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Gesundheits-Apps : An der Grenze zu Wellness

  • -Aktualisiert am

Medikamente dosieren, an Diätpläne erinnern oder - wie hier - Muttermale dokumentieren: Gesundheits-Apps versprechen, vieles zu können. Bild: dpa

Jeden Monat kommen Tausende neue Gesundheits-Apps auf den Markt. An der Entwicklung von manchen sind nicht einmal Ärzte beteiligt. Welche Kenntnisse braucht ein Patient, um ihre Risiken zu erkennen?

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          Der Markt für Gesundheits-Apps und Apps mit medizinischer Zweckbestimmung boomt, allerdings ist der Nutzer bei der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit weitgehend auf sich selbst gestellt. Gesundheits-Apps unterliegen keiner Regulierung und müssen daher auch keinen Vorgaben oder Standards genügen. Apps mit medizinischer Zweckbestimmung – sogenannte Medical Apps – fallen unter das Medizinprodukte-Gesetz. Sie müssen in einem Konformitätsverfahren belegen, dass sie den gültigen EU-Normen entsprechen, bevor sie für den angegebenen Zweck verwendet werden dürfen. Der Nutzer kann sich daher nur bei einer Medical-App darauf verlassen, dass Sicherheit und Leistungsfähigkeit bewertet worden sind. Setzt der Arzt eine App zur Behandlung ein, trägt er die Verantwortung dafür. Bei der Klärung von Haftungsansprüchen im Schadensfall wird man ihn als Erstes ansprechen.

          Darauf haben unlängst auch Hartmut Gehring vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck und seine Kollegen in einem Beitrag für das „Bundesgesundheitsblatt“ über Medical Apps hingewiesen (Bd. 57, S. 1402). Das E-Health-Gesetz, das seit Mitte Januar als Referentenentwurf vorliegt, treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen voran und steckt den Rahmen für neue Anwendungen ab. Die Vernetzung über Apps wird sicher eine dieser neuen Anwendungen sein.

          Vermessung der Fitness

          Was ist der Unterschied zwischen einer Gesundheits-App und einer Medical-App? Gesundheits-Apps vermessen die körperliche Fitness, geben Tipps zur gesunden Lebensführung, informieren über Krankheiten oder machen andere Angebote für das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden. Auch Applikationen, die Patienten an Termine erinnern oder ihnen sagen, an welchem Punkt der Behandlung sie gerade stehen, sind Gesundheits-Apps. Medical Apps führen medizinisches Wissen und individuelle Patientendaten zusammen und werden direkt zum Erkennen und Behandeln von Krankheiten eingesetzt. Etwa, indem sie die Dosierung von Medikamenten, Kontrastmitteln oder einer Strahlentherapie berechnen, die Filtrationsrate der Nieren bestimmen, Röntgenbilder einlesen und bewerten oder in Kombination mit einem Messgerät den Blutdruck messen oder ein EKG ableiten. Jeden Monat kommen etwa tausend neue Applikationen mit gesundheitlichem und medizinischem Bezug auf den Markt. Über die genaue Zuordnung entscheidet der Hersteller. Wie viele Apps derzeit weltweit angeboten werden, weiß niemand so genau. Schätzungen gehen von hundert- bis zweihunderttausend Apps mit Medizin- und Gesundheitsbezug aus, allerdings ist die Zahl für deutsche Nutzer deutlich niedriger. Es gibt auch nur sehr wenige Medical Apps und sehr viele Gesundheits-Apps.

          Angesichts dieser Realitäten drängen sich wichtige Fragen auf: Wo liegt die Grenze zwischen Wellnessangebot und Medizinprodukt? Welche Risiken bergen zweifelhafte Apps oder die unüberlegte Preisgabe persönlicher Daten bei der Nutzung? Wie erkennt man ein vertrauenswürdiges Produkt, und wer hat Zugriff auf die erhobenen Gesundheits- und Medizindaten? Die Generali-Versicherungsgruppe etwa hat ihren Mitgliedern unlängst schon angeboten, diejenigen mit Gutscheinen, Geschenken oder Rabatten zu belohnen, die ihre gesammelten Gesundheitsdaten freiwillig an die Versicherung weiterleiten.

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