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Gesunde Ernährung : Kleiner Helfer gegen das fiese Salz

  • -Aktualisiert am

Zarte Prise: Salz sollte man in Maßen genießen. Bild: AFP

Hoher Blutdruck, Herz-Kreislauf-Leiden und Autoimmunkrankheiten: Salzreiche Nahrung gilt schon lange als schädlich. Eine Studie zeigt nun, was gegen diese negativen Wirkungen helfen könnte.

          3 Min.

          Die Frage, ob und falls ja, ein erhöhter Salzkonsum der Gesundheit schadet, erhitzt seit Jahrzehnten die Gemüter. Von den einen kleingeredet, wird die Zufuhr großer Mengen an Natriumchlorid von anderen für die Entstehung etlicher Krankheiten verantwortlich gemacht. Denn wie aus zahlreichen Untersuchungen hervorgeht, fördert eine salzreiche Kost die Ausbildung von hohem Blutdruck (Hypertonie) und anderen Herz-Kreislauf-Leiden. Auch mehren sich die Hinweise darauf, dass zu viel Salz in der Nahrung Autoimmunkrankheiten wie der multiplen Sklerose (MS) den Weg bereiten könnte. Über welche molekularen Komplizen salziges Essen solche Störungen begünstigt, lässt sich erst unvollständig beantworten. Neuen Erkenntnissen zufolge dürften sowohl Darmbakterien als auch das Immunsystem dabei ihre Hände im Spiel haben, ja womöglich sogar am selben Strick ziehen.

          Was es mit der Beziehung zwischen den beiden ungleichen Partnern auf sich hat, wollte eine Forschergruppe um Dominik Müller und Nicola Wilck vom Berliner Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH), einer gemeinsamen Einrichtung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und der Charité in Berlin, herausfinden. Hierzu untersuchten die Wissenschaftler in einem ersten Schritt, wie sich eine salzreiche Ernährung auf das Darmmikrobiom von Mäusen auswirkt. Wie Müller und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“  berichten, beeinträchtigte eine solche Kost weder den Appetit noch die Verdauung der Nager. Sie veränderte jedoch die Zusammensetzung der Bakterien im Verdauungstrakt der Tiere. So verschwanden einige wenige Bakterienarten darin ganz oder fast vollständig, während sich andere ausbreiteten. Als besonders relevant erwies sich dabei der Verlust von Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus.

          Die heilsamen Effekte der Lactobazillen

          Denn die Einbuße ging Hand in Hand mit einem Anstieg des Blutdrucks und einer Vermehrung von entzündungsfördernden Immunzellen (TH17), die im Verdacht stehen, den Blutdruck zu erhöhen und selbstzerstörerische Entzündungsprozesse zu begünstigen, wie sie etwa bei der multiplen Sklerose ablaufen. Behandelten die Forscher salzbelastete Tiere mit den dezimierten Milchsäurebakterien – und zwar mit Lactobacillus murinus oder auch Lactobacillus reuteri –, konnten sie die salzinduzierten Veränderungen teilweise rückgängig machen. So fiel der Blutdruck der Mäuse daraufhin ab, und auch die Zahl der entzündungsfördernden TH17-Immunzellen im Blut der Nager verringerte sich erheblich. Ähnlich heilsame Effekte übten die Lactobazillen auf den Krankheitsverlauf von mit viel Salz gefütterten Mäusen aus, die an einer MS-artigen Autoimmunkrankheit litten. Auch hier dämpften diese Milchsäurebakterien die überschießende Entzündungsreaktion und verbesserten die Krankheitssymptome der Tiere.

          Welche Bedeutung besitzen diese Erkenntnisse aber nun für den Menschen? Um Antworten bemüht, verabreichten die Forscher um Müller zwölf gesunden Männern zwei Wochen lang täglich sechs Gramm Salz in Tablettenform. Auf diese Weise lag die tägliche Salzaufnahme der Probanden, die sich ansonsten wie gewohnt ernähren konnten, bei rund 13 bis 14 Gramm, was dem oberen Ende des in Europa üblichen Verbrauchs entspricht. Das Ergebnis: Auch bei den Versuchspersonen führte die „Salzkur“ zu einer Vermehrung der TH17-Immunzellen und zu einem Anstieg des Blutdrucks. Und genau wie bei den Mäusen vertrieb die Behandlung die Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus aus dem Darm der Probanden – freilich nur bei jenen, die auch zuvor über solche Mikroben verfügt hatten. Dass nur bei fünf der zwölf Versuchspersonen solche Bakterien anfänglich nachweisbar waren, könnte laut den Studienautoren mit dem westlichen Lebensstil zusammenhängen. Denn bei Naturvölkern ist diese Bakterienart, die in fermentierten Lebensmitteln wie etwa Kefir und Joghurt vorkommt, viel weiter verbreitet.

          In größeren Studien gilt es nun zu klären, ob sich die Ergebnisse der Pilotstudie bestätigen lassen und inwieweit die Zufuhr größerer Mengen an Lactobazillen auch beim Menschen den Blutdruck zu senken vermögen. Müller und seine Mitarbeiter interessieren sich außerdem für die Frage, welche Produkte der Darmbakterien die entzündungsfördernden Wirkungen von salzhaltigem Essen genau vermitteln. Denn bei Mäusen, die keimfrei aufwachsen und daher über kein Darmmikrobiom verfügen, führt eine salzreiche Ernährung zu keiner oder höchstens zu einer geringen Vermehrung der TH17-Zellen im Blut. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass diese und andere Entzündungstreiber die Wirkung von blutdrucksteigernden Faktoren verstärken und diesen Unheilbringern somit gleichsam als Steigbügel dienen. Eine therapeutische „Abkühlung“ der aufgebrachten Immunzellen könnte daher ein geeigneter Weg sein, um der Hypertonie und möglicherweise auch weiteren Krankheiten entgegenzuwirken.

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