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Studentenfutter schützt : Leute, knabbert euch gesund

Es müssen nicht nur piemontesische Haselnüsse sein. Bild: Frank Röth

Eine Handvoll Nüsse täglich halten fit - oder nicht? Forscher haben die Daten zusammengetragen und sind sich sicher: Die ölhaltigen Samen sind effektive Allroundhelfer im Kampf gegen Killerkrankheiten - sogar gegen viel mehr Leiden als man dachte.

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          Ernährungsempfehlungen sind oft zäh, widersprüchlich, uneindeutig oder schwer zu ertragen. Diese hier ist glasklar und zum Knabbern einfach: Esst mehr Nüsse, wenn ihr sinnvoll chronischen Krankheiten begegnen und effektiv dem  frühen Ableben durch Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs vorbeugen wollt. So formuliert in einer Metaanalyse des „BMC Medicine“, die von norwegischen und britischen Wissenschaftlern veröffentlicht worden ist.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Team um Teresa Norat vom Imperial College London hat zwei der größten medizinischen Datenbanken nach systematischen Langzeitstudien bis zurück in die Anfänge in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts durchsucht. 29 große Kohortenstudien von ursprünglich fast fünfzigtausend gefundenen Einzelstudien mit am Ende insgesamt 819.000 Teilnehmern erfüllten die Kriterien für die Metaanalyse. Zehntausende der Teilnehmer sind an Herz-Kreislaufleiden erkrankt,  an Schlaganfall, Infarkten oder an Krebs, 85.000 sind gestorben. Bei der Auswertung der Ernährungsgewohnheiten fiel auf: Wer mindestens 20 Gramm Nüsse am Tag knabberte, etwa eine Handvoll also, und egal ob Walnüsse, Haselnüsse oder Erdnüsse (die botanisch betrachtet zu Gemüsepflanzen zählen), hat sich statistisch gesehen einen messbaren Gesundheitsvorteil - und am Ende auch einen Überlebensvorteil - angefuttert.

          Auch das Eichhörnchen schätzt den Nähr- und Mehrwert der Nüsse.

           „Das Risiko ist klar reduziert“, schreiben die Wissenschaftler, und zwar nicht nur bei Gefäß- und Herzleiden, wie man wegen der vielen ungesättigten Fettsäuren, Antioxidantien, wegen des Magnesiums und der pflanzlichen Fasern schon länger spekuliert hat. Auch was die Prävention von Krebs angeht, sind sich die Forscher jetzt ein Stückweit sicherer: Um 15 Prozent sei das Krebsrisiko beim  Verzehr von durchschnittlich 20 Gramm am Tag reduziert, für Herzkreislaufkrankheiten liegt der Wert bei 30 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, wegen einer dieser immer noch häufigsten Zivilisationsleiden früher als nötig zu sterben, werde mit der täglichen Studentenfutterportion um 22 Prozent verringert. Auf den ersten Blick noch drastischer wirkt der Schutzeffekt bei  Diabetes (minus 40 Prozent) oder Lungenleiden (minus circa 50 Prozent), allerdings basieren diese Zahlen noch auf einer ziemlich dünnen Datenbasis.

          Auffallend war, dass bei vielen Krankheiten bis zu eben jenen durchschnittlich 20 Gramm täglich eine Dosis-Wirkungskurve zu erkennen war: Je mehr, desto besser. 20 Gramm sind dabei ein statistischer Wert, es kommt keineswegs darauf an, genau so viel täglich zu sich zu nehmen. Wichtig offensichtlich nur: Regelmäßig Nüsse essen. Über die 20 Gramm hinaus war allerdings kein Überlebensvorteil mehr herauszulesen. Wer also Nüsse tütenweise verspeist, um sich was Gutes zu tun, investiert womöglich unnötig viel Geld in die Nussfrüchte. Weniger als zwanzig Gramm allerdings ist die Norm. Und das wirkt sich nach den Hochrechnungen der Wissenschaftler auf die Sterbe- und Krankheitsbilanz aus: Allein für 2013, dem letzten Jahr der berücksichtigten Studien, rechnen die Forscher mit 4,4 Millionen Menschen weltweit, die quasi wegen „Unterversorgung“ mit Nüssen zu früh gestorben sind. Anders ausgedrückt: Abermillionen nutzen das Anti-Aging-Potential von Studentenfutter immer noch nicht aus.

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