https://www.faz.net/-gwz-9nfgp

Gentherapie boomt : Der Goldrausch im Erbgut

Eine Einmalspritze für 2,125 Millionen Dollar ist auf dem Markt. Bild: dpa

Das teuerste Medikament der Welt ist zugelassen: Es kann Babys retten und ist erst der Anfang. Verträgt das System den neuen Boom der Gentherapien?

          5 Min.

          Es war in den Augen vieler schwerkranker Menschen ein großer Tag, vor allem aber war es ein symbolträchtiger Tag für eine medizinische Zunft, auf die vor zehn oder zwanzig Jahren noch mit einiger Häme herabgesehen wurde; eine Branche, die als Rohrkrepierer der Schulmedizin bemitleidet oder als Ausgeburt einer hybriden Hightechmedizin verflucht wurde. Jetzt ist die Gentherapie als Behandlungskonzept endgültig zurück. Und wie. Mit einem Paukenschlag. Am Freitagnachmittag rief der Schweizer Konzern Novartis eilig eine internationale Pressekonferenz ein. Kurz zuvor hatte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA das Gentherapeutikum Zolgensma förmlich zugelassen – ein Mittel, das schon vor der erwarteten Freigabe im Netz als mutmaßlich teuerstes Medikament der Welt von sich reden machte. Kein Zufall.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Vom ersten Moment, an dem die Gentherapie als Idee einer nicht länger nur lindernden, sondern kausal heilenden Behandlung kursierte – in den achtziger und neunziger Jahren –, steht diese Frage im Raum: Wer soll solche Therapien mit Milliardeninvestitionen entwickeln, wenn am Ende vergleichsweise wenige Patienten mit meist sehr speziellen Gendefekten profitieren? Der Markt, auch der Gesundheitsmarkt, strebt nach ökonomischer Nachhaltigkeit, sprich: sicheren Gewinnmargen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung

          : blackweek20

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Wenn ein Siegertyp verliert : Trump, das Opfer

          Der Präsident wird das Weiße Haus rechtzeitig verlassen. Aber er wird niemals eingestehen, dass er die Wahl verloren hat. Denn er hat immer schon Lügen in neuen Lügen erstickt.
          Wie tief reicht die Harmonie wirklich? Robert Habeck und Annalena Baerbock auf dem digitalen Bundesparteitag im November 2020

          Die Grünen und die K-Frage : Habeck oder Baerbock?

          Die Grünen sind zufrieden mit sich. Doch irgendwann müssen sie klären, ob sie einen Kanzlerkandidaten aufstellen und wer von beiden Vorsitzenden das sein soll. Ein Stimmungsbild.

          Pressefreiheit in Frankreich : Macrons Doppelmoral

          Es ist gut, dass der französische Präsident Karikaturen gegen Zensurversuche im Namen der „politischen Korrektheit“ verteidigt. Doch er wäre glaubwürdiger, wenn er die Pressefreiheit nicht an anderer Stelle selbst einschränken würde.