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Genetik contra Pille : Was das Herz gesund hält

  • -Aktualisiert am

Genetik oder Pille: was schützt? Bild: dpa

Schützen Blutfettsenker wirklich vor Herz-Kreislauf-Attacken? Um diese Frage zu beantworten, verglichen Wissenschaftler nun Menschen, die diese Pillen nehmen, mit anderen Probanden, die durch ihre Genetik vor schädlichem Blutfett bewahrt werden.

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          Hohe Cholesterinwerte im Blut fördern nachweislich die Arterienverkalkung und damit Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das Umgekehrte trifft allerdings nicht zwangsläufig zu. Das heißt: Medikamente, die den Blutfettgehalt senken, schützen nicht notwendigerweise auch vor Herz-Kreislauf-Attacken. Dieser Beleg muss im Einzelfall immer erst erbracht werden.

          Noch weitgehend unklar war bisher etwa, ob der seit dem Jahr 2002 zugelassene Cholesterinsenker Ezetimib einen solchen Nutzen besitzt oder eher Laborwerte „verschönert“. Um eine Antwort haben sich jetzt Forscher aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und weiteren Nationen bemüht. Sie durchforsteten das Genom von mehr als 133 000 Versuchspersonen mit und ohne arteriosklerotische Herzleiden nach Mutationen, die natürlicherweise das Gleiche bewirken wie eine Behandlung mit dem Arzneimittel. So verringert Ezetimib den Gehalt des schädlichen Blutfetts, indem es ein Protein mit dem Namen NCP1L1 daran hindert, mit der Nahrung aufgenommenes Cholesterin vom Darm in den Kreislauf zu befördern.

          Suche im Erbgut

          Sekar Kathiresan vom Center for Human Genetic Research am Massachusetts General Hospital in Boston und sein Team suchten im Erbgut der Probanden daher nach Genvarianten, die wie Ezetimib den Cholesterintransporter NCP1L1 ausschalten. Wie die Autoren im „New England Journal of Medicine“ (Bd. 371, S. 2072) berichten, entdeckten sie fünfzehn unterschiedliche Genvarianten mit den gesuchten Eigenschaften. Deren Häufigkeit war zwar nicht sehr groß. Unter den insgesamt 82 Mutationsträgern befanden sich allerdings auffallend viele Personen, die kein arteriosklerotisch bedingtes Herzleiden aufwiesen. So hatten 71 der rund 83 000 gesunden Studienteilnehmer (0,09 Prozent) einen Gendefekt, der das Protein NCP1L1 außer Gefecht setzte. Bei den herzkranken Männern und Frauen lag der entsprechende Anteil hingegen nur bei 0,04 Prozent, war also weniger als halb so groß.

          Mindert Ezetimib also das Risiko für Herzattacken? Nicht zwangsläufig. Denn natürliche „Experimente“ wie die beschriebenen beeinflussen die Gesundheit ein Leben lang. Demgegenüber kommen Medikamente in der Regel erst im fortgeschrittenen Alter zum Einsatz - zu einem Zeitpunkt, wenn Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinspiegel bereits seit Jahrzehnten ihre Spuren hinterlassen haben. Insofern bleibt abzuwarten, ob Ezetimib den therapeutischen Anforderungen genügt. Dieser wichtigen Frage geht derzeit eine weitere große wissenschaftliche Studie auf den Grund.

          UPDATE v. 16.12.2014:

          Laut neuesten Erkenntnissen scheint Ezetimib, zusätzlich zu einem gängigen Cholesterinsenker verabreicht, die Häufigkeit von Herzkreislaufattacken tatsächlich zu verringern. Die Resultate der sogenannten Improve-it Studie wurden kürzlich auf der Jahrestagung der American Heart Association vorgestellt, bislang aber noch nicht in einem einschlägigen Fachjournal veröffentlicht.

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