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Generation Y : Der alte Arzt hat ausgedient

  • -Aktualisiert am

Doch die Stimmung unter den Jungmedizinern hat auch etwas Schwankendes. Schnell schlägt sie um in bange Befürchtungen, doch wieder in alten Strukturen zu landen. Immer wieder sprechen die Nachwuchsmediziner von ihrer Angst, durch Zufall in Kliniken zu geraten, in denen junge Ärzte noch immer ausgebeutet werden, Freizeit ein Fremdwort ist und Ausdrücke wie Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance zwar verwendet werden, weil das modern ist, sich aber als leere Sprechblasen herausstellen. Einige haben das erlebt. Am Morgen, kurz bevor der Eröffnungsvortrag der Karrieremesse beginnt, begrüßen sich in einer der vorderen Reihen von Saal 3 zwei ehemalige Kommilitonen, eine junge Frau und ein junger Mann, sie haben zusammen studiert und arbeiten nun als Assistenzärzte in unterschiedlichen Städten. Sie klagt über fehlende Anleitung, kaum Möglichkeiten, praktische Fähigkeiten zu trainieren. Er sei an seiner Klinik hochzufrieden, erzählt der junge Mann dagegen, „vom ersten Tag an Ultraschall, und das Curriculum wird voll eingehalten.“ „Aber lernt ihr ’s richtig - unter Supervision?“ fragt sie. Natürlich, antwortet er. „Werden die Überstunden bezahlt?“ fragt die junge Ärztin. „Nee, aber wir können sie abbummeln.“ Sie seufzt: „Bei uns hieß es auch, man könne Überstunden abfeiern. Aber wenn du die dann wirklich aufschreibst, dann wirst du zum Chef zitiert und der schüchtert dich derartig ein...“

Fünfmal pro Monat ein 36-Stunden-Dienst

Dann geht das Licht auf der Bühne an. Für den Hauptvortrag hat der Marburger Bund Martina Müller-Schilling gewonnen, Lehrstuhlinhaberin für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Regensburg. Sie habe, sagt sie, vor dem Vortrag ihre Studentinnen und Assistentinnen gefragt, worüber sie sprechen solle. „Wie es wirklich gewesen ist“, wollten die wissen. Und deshalb berichtet die 49-Jährige dann in Berlin aus einer anderen Welt, der ihrer Assistenzzeit: Sie erzählt von „fünf 36-Stunden-Diensten pro Monat“ und autoritären Chefärzten, die brüllten: „Geben Sie das Endoskop her.“ Müller-Schilling resümiert: „Wir haben Zeiten erlebt, da bin ich froh, dass sie vorbei sind. Für Sie gilt jetzt: The future is wide open.“

Draußen vor dem Saal scheint die Zukunft tatsächlich begonnen zu haben. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat ein Werbeplakat für ein Frauenförderprogramm in der Chirurgie aufgehängt. Am Stand des Contilia-Gesundheitsunternehmens aus Essen erklärt ein sympathischer Kardiologe einem Messegast nach dem anderen geduldig, wie man ein EKG interpretiert. Das Klinikum Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt kann sogar eine elektronische Zeiterfassung für Ärzte und einen Rund-um-die-Uhr-Kindergarten aufbieten.

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