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Generation Y : Der alte Arzt hat ausgedient

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“Der Krankenhausmarkt in Deutschland entscheidet sich in den nächsten fünf Jahren im Wettbewerb um Personal“, prognostiziert Schmidt. Seine Publikation mit dem schlichten Titel „Generation Y - Rekrutierung, Entwicklung und Bindung“ ist deshalb schnell zu einem Ratgeber für die Personalabteilungen von Krankenhäusern avanciert. Schmidt dokumentiert darin die Erkenntnisse, die weltweit über die nach 1980 Geborenen vorliegen. Gesammelt wurden sie von Unternehmensberatungen, Arbeitsgruppen an Ministerien und soziologischen Instituten, meist für ganz andere Branchen, etwa die Pharmaindustrie oder große Kanzleien. Schmidt hat dieses Wissen auf die Bedingungen des Arztberufs angewendet.

Selbstbewusst durch übermäßiges Lob

Generation Y“ ist ein Begriff, der Anfang der neunziger Jahre geprägt wurde, um die demographische Kohorte der in den achtziger Jahren Geborenen zu beschreiben. Für die Kinder der Nachkriegsjahrzehnte war schon in den fünfziger Jahren der Begriff „Generation X“ verwendet worden. Schmidt benutzt den Begriff „Generation Y“ für alle Geburtsjahrgänge zwischen 1981 und heute. „Generation X“ sind bei ihm die zwischen 1965 und 1980 Geborenen. Als „Babyboomer“ bezeichnet er die Elterngeneration von Generation Y, die zwischen 1946 und 1964 geboren ist. Die Angehörigen der Generation Y, also die heute Zwanzig- bis Dreißigjährigen, sind Schmidts Literaturrecherche zufolge „durch ein hohes Selbstbewusstsein gekennzeichnet“ und zudem „nicht kritikfähig“ - wohl auch, weil sie „von den Babyboomern übermäßig gelobt“ wurden. Generation Y hat ein „hohes Anforderungsprofil an den Arbeitsplatz“, lehnt sowohl Hierarchien als auch „Absitzen von Arbeitszeit“ ab. „Überstunden müssen sehr gut begründet werden“, schreibt Schmidt. Die Generation Y „wechselt eher den Job als sich anzupassen.“ Während Generation X noch pessimistisch war, oft mit dem Begriff Null-Bock-Mentalität in Verbindung gebracht wurde und sich individualistisch verhielt, ist Generation Y pragmatisch, kooperativ und bildet aktiv Netzwerke. Ihre eigenen Eltern, die ihr Privatleben hinter dem Beruf zurückstellten, gelten bei der Generation Y als „Workaholics“. Von dieser Haltung „Leben, um zu arbeiten“ distanzieren sich die Mitglieder von Generation Y bewusst und fordern nachdrücklich ein Privatleben, das diesen Namen verdient. Das Familienbild definiere sich neu, konservative Werte würden wiederentdeckt, schreibt Schmidt: „Familie genießt höchste Priorität.“

Was aber heißt all das für den Krankenhausalltag? „Sinnvolle Arbeitsinhalte und attraktive Arbeitszeitmodelle scheinen für die Generation Y noch wichtiger als für die vorherigen Generationen zu sein“, bilanziert Schmidt. Ohne „lebensabschnittsadaptierte Arbeitszeiten bzw. flexible Auszeiten (zum Beispiel Elternzeit und unbezahlter Urlaub) werden diese Mitarbeiter nicht an die Einrichtung zu binden sein“, heißt es weiter. Zudem sei ein neuer Führungsstil erforderlich, der kontinuierliches Feedback gewährleistet, ein „coachender“ Führungsstil, der mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden ist. Die Generation Y lernt am liebsten „hands-on“, in der Medizin beispielsweise mit Puppen und Simulatoren. Regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche sind notwendig, die Generation Y legt Wert darauf, dass das Curriculum eingehalten wird.

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